Heft 
(1.1.2019) 06
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vr. me6. Hermann Rlencke. Die Leihbibliotheken und die Arankheitsbacterien.

dem Bierfasse kommt, dann danke ich für diese Poesie. Welche geringe Kenntniß der vaterlän­dischen und englischen und französischen Literatur herrscht heute selbst unter hochgebildeten Juristen, Medicinern, Philologen, Pfarrern rc. Man fragt wohl gar, wie ich selbst gehört habe, den Leih­bibliothekar, was wohl zu empfehlen sei zum Lesen rc. Also in allen Beziehungen und aus tausend Grün­den ist es für Jeden, der sich zu den Gebildeten rechnet, nothwendig, sich eine kleine Bibliothek von erprobten tüchtigen Schriftstellern anzuschaffen. Den neuesten Schundroman braucht man ja nicht zu lesen und seinen Töchtern und Schwestern mit falschen Idealen die Köpfe verrücken zu lassen. Außerdem wie billig sind jetzt gerade die guten und vorzüg­lichen Werke großer Autoren zu haben, wie spott­billig! Gott sei Dank ist unter diesen auch eine unendliche Auswahl, und besser, man liest diese anerkannten Meister des Styls und der Erzählung und Schöpfer neuer Ideen und hoher großer Muster zehnmal, als das neueste Novellen- und Romangift von literarischen Spekulanten oder alt­jüngferlichen Blaustrümpfen einmal.

Es würde ja nun eine große Einseitigkeit sein, den Leihbibliotheken die Existenzberechtigung abzusprechen oder sie öffentlich anzuklagen als ge­sundheitsgefährlich, sie haben für Leute, die absolut nicht die Mittel haben, sich gute Bücher anzuschaffen, eine segensreiche Bedeutung, aber gegen den Miß­brauch von Seiten der gutsitnirten Klassen muß man Protest einlegen und ihnen, die so sorgfältig über ihre Gesundheit Wachen und ängstlich besorgt sind, zu bedenken geben, daß sie wohl mit einem Buche, das in öffentlichem Umläufe ist, sich eine ansteckende Krankheit zuziehen können. Denn mag nun der Ansteckungsstofs ans Bacterien bestehen und ihren Keimen oder aus kleinsten Theilchen des kranken Körpers, die mit der Ausathmungslnft ab­gegeben werden, so ist in diesem wie jenem Falle bei dein zähen Anhaften dieser Anstecknngsstosfe an organischen Substanzen, wie Papier ist, die Gefahr der Ansteckung nahegelegt. Eine feine ärztliche Nase würde, glaube ich, sogar den Scharlachgeruch aus einem solchen Buche, das bei einem Scharlach­kranken war, heraussinden. Vorsicht ist also jeden­falls geboten, löiseits moniti!