Igemöim Kmöscha«.
Das Jahrmarktfest im Gürzenich zu Köln.
Von Adolf Ebeling.
,,Zu Köln sind lustige Leute, Dabei gutherzig und reich."
Ich weiß nicht mehr, ans welchem kleinen Humoristischelt Gedicht, gleichfalls bei Gelegenheit irgend eines philanthropischen Unternehmens, diese Worte in mir nachklingen, aber sie passeil so vortrefflich zu meiner heutigen Schilderung, daß ich derselben wirklich kein besseres Motto voransetzen könnte.
Köln ist nämlich in Wahrheit die Stadt der Wohl- thätigkeit und Menschenliebe pur axonllenoa, die gottlob iil unserem deutschen Vaterlande viele Rivalinnen hat, von denen aber wohl keine sie überbietet. Es ist unglaublich, was in der rheinischen Metropole alles zur Unterstützung der Nvthleidenden und überhaupt zur Linderung des Elends der Armen geplant und erdacht lind dann auch sofort ausgeführt wird, und wie immer wieder ein neues Project auftaucht und Anklang findet; denn bei der raschen Zunahme der Bevölkerung und bei den stets vergrößerten Schwierigkeiten des Erwerbs dürfen die Helfenden und Gebenden die Hände nicht in den Schoß legen. Wie man von der Noth sagt, daß sie erfinderisch sei, so sind es auch diejenigen nicht minder, die sich die Abhülse derselben zur schönen Lebensaufgabe gestellt haben.
Und immer sind es die Kölner Frauen, die im Wohlthun und in der praktischen Nächstenliebe vorangehen, im Großen wie im Kleinen — im Großen, denn wir haben hier die Wittwe eines reichen Banguiers, die bereits mehrere Millionen für ein Kinderkrankenhaus und ähnliche Stiftungen geschenkt hat und die uns noch immer mit neuen Schenkungen überrascht, und diese edle Frau steht nicht einmal allein da; — im Kleinen, denn es giebt hier fast keine Dame der höheren Stände, die nicht an irgend einem Liebeswerke betheiligt wäre und unbemerkt und im Stillen sammelt und hilft und Pflegt. Das ist also die Gutherzigkeit der Kölner, von der das Motto sagt.
Die zweite Eigenschaft, und zwar die materiell wichtigste, ist die glückliche Vermögenslage der Bewohner, und nicht allein der Reichthum der sogenannten oberen Zehntausend, sondern auch die Wohlhabenheit der eigentlichen Bürgerklassen, des goldenen Mittelstandes. Vielleicht hat keine andere Stadt Deutschlands auf diesem Gebiete ein so zahlreiches Contingent anfzuweisen, und noch heute wird man in dieser Beziehung häufig an die große, ruhmvolle Zeit erinnert, wo Köln im Mittelalter als „Königin der deutschen Städte" gepriesen wurde.
Man giebt also in Köln nicht allein herzlich gern, sondern man kann auch geben und viel geben, und, wie gesagt, die Frauen immer in erster Reihe. Da kann es nicht fehlen, und ein günstiger und zumeist glänzender Er
folg ist jedem philanthropischen Unternehmen iw Voraus gesichert. Dies also für das reiche Köln.
Als drittes Element, und gewissermaßen als geistige Beisteuer, kommt dann noch der Humor hinzu, das schöne Erbtheil der Kölner und überhaupt der Rheinländer, das aber gerade in Köln selbst seine buntesten und heitersten Blüthen treibt. Hier treten nun die Männer in ihr Recht, die alten wie die jungen, und jene fast noch mehr als diese, denn es giebt in Köln eine Menge alter Herren, die ewig jung bleiben. Das macht der Wein und der prächtige Rhein, — der dortige Wein, Deutschlands edelster Trank und der Rhein, Deutschlands herrlichster Strom. Das weiß Jeder, der nur einmal am Rhein mit frohen Genossen gezecht. Dies also für das lustige Köln unseres Mottv's, und nun auch schnell zur Sache.
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Der Leser .... aber richtiger sollte ich sagen: die Leserin, denn es ist Franenwerk, hat gewiß schon von den „Ferien-Colonien" gehört, die seit einigen Jahren in verschiedenen Städten des Rheinlandes (ob auch anderswo, ist uns nicht bekannt) nüs Leben gerufen wurden und überall einen sehr glücklichen Erfolg gehabt haben. Sie bezwecken, die Kinder armer Leute, Knaben wie Mädchen, unter Aufsicht von Lehrern und Lehrerinnen während der Sommerferien auf dem Lande paffend unterzubringen, damit sie sich bei guter Pflege in freier Luft erholen und auch gesunden, denn den kränklichen und schwachen Kindern wird der Vorzug gegeben.
Die Kölner Frauen blieben natürlich nicht zurück und sammelten alljährlich eine namhafte Summe zur Ausrüstung einer solchen Ferien-Colonie, und es war immer ein Fest, wenn die Kleinen ausrückten und mehr noch, wenn sie wiederkamen. Die frischen, fröhlichen Gesichter der Kinder und der Eltern waren der Lohn.
Aber die Bitten um Aufnahme mehrten sich von Jahr zu Jahr, und alsbald entstand der Gedanke, die Sache großartiger zu betreiben, nämlich durch ein Unternehmen von allgemeinem Interesse und von starker Zugkraft, um in den Besitz eines bedeutenden Capitals zu kommen und von dessen Zinsen alsdann die jährlichen Ausgaben für die Ferien-Colonien zu bestreiten.
Dieser Gedanke, kaum angeregt, siel auf fruchtbaren Boden; die angesehensten Damen der Stadt traten zu einem Comita zusammen, und man entschloß sich für ein Jahrmarktfest, das völlig und ganz durch freiwillige Beiträge, sowohl an Geld, zur Bestreitung der Einrichtungskosten, als auch an allen möglichen Maaren und Gegenständen zur Ausstattung der Buden, in's Leben treten sollte.
Der große Gürzenichsaal, der gegen zweitausend Personen fassen kann, bot mit seinen geräumigen Nebensälen
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