Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
11
Einzelbild herunterladen

Skizzen. 11

Von dem Hohenzollernſchen Geſchlechte ſang 1416 Kon­rad Silberdraht:Ein wehrhafter Haus im Land nicht ge­weſen iſt, als du bisher geweſen biſt.)

Keine Schande war es für einen Zollern, daß nicht eines Kaiſers Gunſt ſeine Vorfahren mit einem Herzogtume belehnt hatte. In ſtetem Mühen und Sorgen hatten die Hohenzollern ihr kleines Erbe ſo weit ausgedehnt, daß ſie mit Ehren den Fürſtentitel annehmen konnten. Als Fürſten hatten ſie ſich ſo gehalten und bewährt, daß wenn im XV. Jahrhundert die beſten Namen des Reiches genannt wurden, der ihre nicht fehlen durfte, ja, daß ſelbſt im Kollegium der Kurfürſten ein Mann ihres Geſchlechtes ohne Scheu ſitzen konnte.

Wie wenig kränkend war im Grunde der Schimpf, wenn ein anderer Herzog von Bayern, Ludwig der Bärtige, denneu­lich hochgemachten Edelmann Kurfürſt Friedrich von Branden­burg höhnte:Obgleich der Kaiſer Dich zum Kurfürſten ge­macht hat, ſo iſt mir das doch ſo viel, als ob er ein Diplom ausgefertigt hätte für einen ſchäbigen Hund, daß man ihn künftig Roland heiße. Wo wollteſt Du hinaus, wenn Du Deine Diplome verlieren würdeſt?)

Nicht Spott, nur Neid konnte der Inhalt des Plaſſen­burger Archives erregen. Neben den Privilegien der Kaiſer lagen in ungeheuren Stößen Kaufverträge und Schuldver­ſchreibungen, die die Unterſchriften von Mitgliedern faſt aller N benachbarten Fürſtengeſchlechter, bayeriſcher und fränkiſcher

Adelsfamilien, längſt verſtorbener Biſchöfe von Bamberg, Würzburg, Eichſtätt, Freiſing und Regensburg trugen.)

) Berner, Geſch. des preuß. Staates. S. 40.

) v. Lang, Geſch. Ludwig des Bärtigen, S. 9697, Minutoli, Friedrich I., Kurf. v. Brandenb., S. 174176, Riedel, Cod. dipl. III, S. 157.

3) v. Laneizolle, Geſch. d. Bildung d. preuß. Staates I, Kap. 2 und 3. Vergl. Monumenta Zolleriana ed Frhr. v. Stillfried Bd. I, Nr. 29, 85, 93, 97, u. a. v. Lang, Bayerns Gaue n. d. 3 Volksſtämmen, Bd. II, S. 8182, 235237, Chr. Meyer, Johannes Moninger, Genea­logie der Markgrafen v. Brandb., Hohenz.⸗FJorſch. Bd. III, S. 183 ff.