Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
19
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Sthigzen. 19

Land, wie einſt perſiſche Satrapen eroberte Provinzen aus­geſogen.

Die Saat ſeines Vaters, des weiſen Kaiſers Karl, war zertreten; hoch ſchoß überall im Lande das Unkraut auf; ſtatt

des Rechtes galt die Faust

Der Niedergang des Handels, der Notſchrei ſeiner Bür­

ger und Bauern, die von Raubgeſellen erpreßt und gefangen

wurden, mochte den König rühren, als nach dem Tode des Jobſt die Mark ihm wieder zufiel. Leichtſinnig war dieſer Herrſcher, doch nicht gewiſſenlos. Kein neuer Pfandhalter ſollte ſeine Untertanen ferner­hin ausplündern und da er ſelbſt ſie vor Gewalttaten nicht ſchützen konnte, ſandte er ihnen ſeinen beſten Mann, den Burg­

grafen Friedrich.

Durch die für ſpäter in Ausſicht genommene Belehnung

des Burggrafen mit der Mark') glaubte der König zugleich im

Rate der Kurfürſten einen ihm ſtets ergebenen Freund zu ge­

winnen.

Wie man am Hofe in dieſen Tagen über die ſchwere

Bürde dachte, die der Burggraf auf ſich nahm, hat König Sigismund ſelbſt ausgeſprochen.Ich wünſche Dir dazu Glück, Krieg und Widerwärtigkeit genug, ſagte er zu ihm bei der Ernennung.

Wahrlich, es war kein leichtes Amt, das der in den Reichsgeſchäften unentbehrliche Burggraf übernahm. Die Hoffnung auf den endgültigen Beſitz der Mark und die mit dieſem Beſitze verbundene Kurwürde wird ihn gelockt haben.)

Es wird immer denkwürdig bleiben, wie der Burggraf

) Leuthinger, Commentarii de Marchia ed Küster, S. 771. 2) Höfler, Denkw. L.v. Eybs, S. 117. 3) Brandenburg, König Sigmund uſw., S. 26, hält es

nicht für durchaus gewiß, daß dieſe Belehnung ſchon 1411 in Ausſicht

genommen wurde; immerhin geht das aber aus der erblichen Ver­leihung der Hauptmannſchaft mit großer Wahrſcheinlichkeit hervor.

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