Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
30
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30 Skizzen.

Es wuchs ein geiſtiges Landsknechttum heran, deſſen Mannen wohl hochfahrender, aber auch weit verächtlicher waren, als die bezahlten Söldner.

Denn unſer Verſtand muß ſehr Herr unſeres Herzens ſein, wenn es nicht höher ſchlägt bei den Taten der Schweizer Söldner.|

Bezahlt waren auch fie, aber fie haben für wenige Gulden mit ihren Leibern ihren Brotherrn gedeckt; auf ihren Schul­tern über Päſſe und Abgründe ſeine Büchſen geſchleppt, daß nicht eine in die Hand der Verfolger fiel.)

Selbſt wenn es verkauft wird, Menſchenblut iſt ein ganz beſonderer Saft.}

Mag der Mund eines Mannes aber auch noch ſo ſchlag­fertig, das Gehirn noch ſo liſtenreich, feine Feder noch fo ſpitz ſein, vermietet er ſie dem Meiſtbietenden, ſo kann unſere Achtung nicht mehr dem Menſchen, nur ſeinen Fähigkeiten gelten.

Die römiſchen Juriſten haben dem Reiche deutſcher Na­tion unendlich geſchadet. Sie waren recht eigentlich die Toten­gräber ſeiner mittelalterlichen Herrlichkeit.

Freilich, als die Juriſten ihre Tätigkeit begannen, war ſchon die Herrlichkeit des römiſchen Reiches deutſcher Nation im Verbleichen geweſen, nicht ſo die der römiſchen Kirche.

Alle Völker, die einſt in dem Kaiſer ihren weltlichen Führer geſehen hatten, verehrten in der Mitte des XV. Jahr­hunderts noch immer im Papſte ihr kirchliches Oberhaupt. Deutſche, Italiener, Spanier, Franzoſen, Engländer, Polen, Ungarn, ja ſelbſt die Griechen auf kurze Zeit, einte der ge­meinſamekatholiſche Glaube.|

Die Zahl der Katholiken war trotz Schisma und Kon­zilien) größer, denn je; nicht ſo ihr Eifer.

) Vgl. das herrliche Gedicht K. F. Meyers:Die Schweizer des Heren von Tremouille:Die haben die Arme, So harte, ſo

warme! Herr König, ich ſteh für die Büchſen dir gut! 2) Vgl. ſpäter KapitelKirche und Reich.