Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
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Skiszen. 31

Freilich, die Lehren eines Wieleff und Huß fanden außer­

halb ihrer engeren Heimat wenig Anklang. Die Biſchöfe) wußten überall ein Vordringen derKetzerei in ihren Diö­zeſen zu hindern.

Aber auch Männer, die die Autorität der Kirche und

1 ihres Oberhauptes gläubig anerkannten, wandten ſich mit Ernſt gegen die Gelderpreſſungen der Kurie, gegen die Erhebung immer höherer Annaten, Palliengelder und Taxen.

Obwohl die geſamte Chriſtenheit in eigenem, wohl ver­

ſtandenem Intereſſe die politiſche Unabhängigkeit ihres geiſt­lichen Oberhauptes wünſchen mußte, ſchmerzte es alle tieferen Geiſter, daß mancher Papſt ſich wie ein italieniſcher Territorial­

herr gebärdete und ſich immer wieder in die kleinlichen Händel der italieniſchen Duodezfürſten, Miniaturrepubliken und

Adelsſippen hineinziehen ließ.

Servus servorum dei nannten ſich die Päpſte in feier­

lichen Ausſchreiben.

| Aber dieſer gar demütige Titel deckte hohen Anſpruch; er bezog ſich wohl auf das Wort des Herrn:Wer unter euch

will der Größte ſein, der ſei aller Knecht. Doch nicht dadurch, daß ein Papſt ſichKnecht der Diener Gottes nannte, wurde er der Größte.

Der Menſchenſohn iſt nicht gekommen, daß er ſich die­

nen laſſe, ſondern daß er diene und ſein Leben laſſe für viele.)

1) In Franken hatte im Jahre 1446die Irrung vaſt und ſchwer überhand genommen, aber der Biſchof von Würzburg und die burg­gräflichen Amtleute ſchritten energiſch ein; ſie fürchteten, daß es zu großer Unehre des allmächtigen Gottes und chriſtlichen Glaubens ein­teißen könnte, und auch zur ſonderlichen Drückung des Adels. Die

Ketzer bekehrten ſich ſpäter freiwillig. Vgl. Würzburg Kr. A. libr. div. Nr. 11, Fol. 285

J x,.Der deutſche Kardinal Nikolaus von Cuſa, 252311. | 3)Der Papſt bedenke, daß er als Diener aus der Niedrigkeit er­höht wurde, und daß er, der Höchſte, ſorgen müſſe, der Diener aller zu ſein, nicht ihr Beherrſcher, ſagt Cuſa in feiner De concordantia ca­tholica Trithemius, Chron. Ins. Monast. Hirsaug. Baſel 1566, S. 671.