Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
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82 Skizzen.

Das höchſte Lehr⸗ und das Seelſorgeramt der Päpſte widerſprach ſolchen Worten keineswegs, wohl aber ihr uner­träglicher Anſpruch, auch die oberſten weltlichen Herren der Chriſtenheit zu ſein.

Konnten ſich die innerlich geſchloſſenen Länder, wie Frankreich und England den Folgen ſolchen Anſpruches leichter erwehren, das Reich ſchien dazu allzu ohnmächtig.

Immerhin nahm man auch hier es nicht mehr ruhig|

hin, wenn der Papſt das Außerſte wagte, einen Kaiſer bannte oder einen Kurfürſten abſetzte; meiſt aber richtete ſich der Widerſtand der Stände nur gegen pekuniäre Übergriffe der Kurie.

Entſprang ja auch nicht immer die päpſtliche Einmiſchung nur ungebührlicher Anmaßung. So war es ein Ruhmestitel für viele Päpſte des XV. Jahrhunderts, daß ſie glaubten, ihnen habe der allmächtige Gott befohlen, mit der ihnen ge­gebenen Macht zu wehren, daß Chriſtenblut bedauerlich vergoſſen und die armen Leute unſchuldig an Leib und Gut zugrunde gerichtet würden.)

Aller Orten, außer vielleicht in Italien, wo ſie allzu oft|

Partei waren, bemühten ſich die Päpſte, Frieden zu ſtiften.

Nichts Geringes war es auch, daß die Päpſte die chriſtlichen

Völker zu gemeinſamen Aufgaben oder zu gemeinſamem Kampfe aufriefen, daß ſie ſich ihrer ſtaatserhaltenden und weltvereinigenden Aufgabe durchaus bewußt blieben. So not­wendig und dankenswert ſolche Tätigkeit war, ſo unleidlich war es, daß ſich die Päpſte vor allem im Reiche ein Mitregie­rungsrecht in weltlichen Dingen anmaßten. Wer ſich ſolcher Willkür widerſetzte, hatte geiſtliche Strafen zu erwarten.

) Es muß immerhin anerkannt werden, daß den Deutſchen in der Mitte des XV. Jahrhunderts das Gefühl für die Not­

wendigkeit einer auf die Nation beſchränkten Staatsgewalt

I) Memorial über die Abſichten des Papſtes hinſichtlich der Einigung zwiſchen Cleve und Köln. Hanſen, Publikationen aus den Preuß. Staats⸗Archiven XXXIV, Nr. 377.