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weltlicher Fürſt länger herrſchen, als es ihm die Geiſtlichkeit vergönnte.“);
Viel kräftiger und einmütiger, wie der Proteſt gegen die Einmiſchung des Papſtes in weltliche Händel, war die Klage über die ungeheuerlichen Geldforderungen der Kurie, über die ſchamloſe Art, wie die von ihr im Reiche zu beſetzenden Pfründen, oft ſogar, bevor ſie erledigt waren, verſchachert und verſchenkt wurden.“)
In der Tat war es aufreizend, wenn Knaben vor dem Empfange der Weihen Pfarrſtellen erhielten, oder gar ein Fremder mehrere Pfründen im Reiche beſaß. 0
„Es regiert der Geiz in den Geiſtlichen“, ſo ſagten ſich die Bürger,) als Aeneas Silvius trotz ſeiner Erwählung zum Papſte Domdechant von Speier blieb.
Wie ſchwer iſt es doch ſelbſt für den Gebildeten, die Idee nicht mit ihren Apoſteln zu verwechſeln, die Lehre für die Schwächen ihrer Vertreter nicht verantwortlich zu machen.
Es iſt auffällig, wie wenig das im XV. Jahrhundert geſchah; wie tief und unerſchütterlich der Glaube an die Heilswahrheiten der Kirche wurzelte, die eine unendlich konſequente, länger als ein Jahrtauſend währende Arbeit der feinſten Geiſter der Menſchheit, allen Gläubigen zu Selbſtverſtändlichkeiten gemacht hatte. Die Treue, die der Kirche im XV. Jahrhundert entgegengebracht wurde, war eine Vergütung€ für die gewaltigen Mittel, die dieſe in früherer Zeit für ſoziale= und geiſtige Zwecke verwandt hatte. Alle Laien drängten ſich, damals noch, ihre Frömmigkeit zu beweiſen.
Die Zahl der Stiftungen„um Gottes Willen“ war ſo 1 groß, daß kaum eine Stadt für Spitäler, Waiſen⸗ oder Armen
Archiv f. österr. Geſchichtsguell, Bd. VII, S. 44—46. bis 405 Ullmann,„Reformatoren vor der Reformation“, S. 198
) Mon es,„Quellenſammlung“, Bd. I, S. 423.