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Skizzen.
häuſer Aufwendungen zu machen brauchte,){Hier ohne Maß wurde in letztwilligen Verfügungen für Klöſter und Kirchen geſorgt.
Auf die großartige, werktätige Frömmigkeit dieſes Jahrhunderts haben die Reformatoren des nächſten ihre ſparſameren Anhänger ſcheltend verwieſen.“)
Vielleicht ſtand der Purpur des Kardinals nicht mehr
in der gleichen Wertſchätzung wie früher, aber nahte ſich einer
Stadt ein ſchlichter Mönch, deſſen asketiſcher Lebenswandel, deſſen frommer Sinn weit bekannt war, dann zogen ihm die
Maſſen meilenweit entgegen; ehrfurchtsvoll empfing ihn der
Rat an den Toren. Reue und Zerknirſchung erweckten ſeine Bußpredigten,
ſeine Gebete eine fromme Ekſtaſe, aus der wohl hier und dort
Wunder geboren wurden,— des Glaubens liebſte Kinder.
Von Laien und Prieſtern beſtätigte Berichte über die Wunder
heilungen der„ehrwürdigen Väter“, der künftigen Heiligen, finden ſich in vielen Archiven.“
Der Papſt habe den Bruder Bernhard mit 12 andern Brüdern nach Wien geſandt“, ſo ſchrieb von dort im Jahre
5 1451 Burkard von Müllenheim an den Rat der Stadt Straß
burg,„er predige alle Tage und tue große Zeichen. Die Toten ſtehen auf, die Blinden ſehen, die Lahmen gehen, die Siechen werden geſund und geht unſer Herr, der römiſche König, in
1) Mone,„über die Armenpflege vom 13. bis 16. Jahrhundert“,
3. f. d. Geſch. des Oberrheins, Bd. I, S. 129 f.
2)„Unter dem Papſttum waren die Leute milde und gaben
gerne, aber jetzt unter dem Evangelio gibt niemand mehr, ſondern einer
ſchindet nur den andern.“ Luthers ſämtl. Werke, Bd. V., S. 264. Vgl.
e.„Geſch. d. deutſchen Volkes“, Bd. I. S. 626, Anm. 3.
3) Vgl. Baader,„Quellen z. bayriſchen und deutſchen Geſchichte“, Bd. VIII, S. 135—141. Eine Notariatsurkunde über die
|. Capriſtans in Nürnberg 1452.
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