40 Skizzen.
Wohlleben und Müßiggang ſuchten. Die Kirche lockte durch ihren allzu großen Reichtum zu zahlreiche und völlig ungeeignete Diener; mehr als ein Drittel des geſamten Grundeigentumes des Reiches gehörte der Kirche und jährlich vermehrte ſich durch fromme Stiftung der Beſitz der„toten Hand“.)
Ein wilder Kampf tobte über die Beute in vielen Städten zwiſchen den Ordens⸗ und Weltgeiſtlichen. Das Prophetenwort:„Du ſollſt nicht ackern oder ähren mit dem Ochſen und Eſel“ ſchlöſſe ein gemeinſames Wirken aus, ſo behaupteten die Parteien.“ Opferwilligkeit und Gehorſam fand ſich ſelten.
So wenig, wie die Erzbiſchöfe und Biſchöfe ſich nach den päpſtlichen Bullen richteten, ſo wenig kümmerten ſich die Domherren und Abte um die biſchöflichen Sentenzen; es iſt begreiflich, daß auch ihre Befehle bei ihren Untergebenen Widerſtand fanden.
Der Niedergang des deutſchen Ordens, der einſt des
Reiches Stolz geweſen war ‚zeigte im großen, was allerorten im kleinen geſchah.“)
Wie in manchen Klöſtern ein ehrgeiziger Prior dem Abt, ſo traten hier der Deutſchmeiſter und der Ordensmeiſter Livlands dem Hochmeiſter des Ordens entgegen; lähmten fein Wollen, zwangen ihn, wenn er ſich behaupten wollte, zur Milde gegen Böſewichte, die nur Strenge gebeſſert hätte.
Mehr als des Polen drohende und immer weiter um ſich greifende Macht ſchadeten dem Orden die jungen Herrlein aus Bayern, Franken und Schwaben, die nur das ſchmucke
X„Was nüßget,“ ſagt Nikolaus v. Cuſa,„der zeitliche Beſitz der Kirchen dem Gemeinweſen, dem Reiche, den Untertanen? Wenig oder nichts.“ Scharpff, a. a. O., S. 50.
) Spieß, Archivaliſche Nebenarbeiten I. S. 164.
) Voigt, Geſch. Preußens, Bd. I. 680786, II, 141144. 315—320. Lünig,„Teutſches Reichsarchiv Spic. Eccl. vom teutſchen
Orden“, S. 13—16. Speieriſche Chronik, Mones Quellenſamml. z. badiſchen Landesgeſch. I, S. 303.