Skizzen.
Kleid, die gute Verſorgung lockten, denen des Ordens Regel drückend, ſeine hohe Aufgabe langweilig erſchien. Gar viele Namen von Ordensrittern find mit Ehrfurcht
zu nennen, die mit aller Kraft ſich dem Verfall entgegen
ſtemmten, die für des Ordens Beſſerung jedes Opfer willig gebracht haben.
Die Lauen und Schlechten aber waren bald die Mehrheit. Das früher blühende Land verſank in Armut und der
Hochmeiſter des einſt ſo über alle Maßen gefeierten Ordens
mußte überall verkünden laſſen, daß er unnachſichtlich jeden ſtrafen werde, der ihn oder ein anderes Ordensglied ſchmähe und„mit böswilligen Worten“ verletze.
Nie hatte das Wort des heiligen Bernhard mehr Geltung gehabt:„Der Glaube gebar den Reichtum, aber das Kind verſchlang feine Mutter.“)
1 Das durchaus weltliche, geradezu protzige Auftreten vieler Biſchöfe war ein öffentliches Argernis.
Kein Leckerbiſſen, kein Wein zu edel für ihre Praſſe
keien, kein Edelſtein zu koſtbar für ihr Biret oder für ihre Ringe, kein Mädchen zu ſchade für ihr Bett.“) Unter dem Gekläff einer rieſigen Meute, auf der Fauſt den Falken, ſo zogen ſie zur Jagd, wenn ſie es nicht noch gar für ritterlicher hielten, ihre Diözeſanen zu bekriegen und die Kirchen zu verbrennen, in denen ſie hätten predigen ſollen.
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)„Religio peperit divitias, sed filia devoravit matrem.“
2) Liliencron a. a. O. I, S. 416,„Das Almoſen turniert und ſticht, das Almoſen hadert und ficht, das Almoſen treibt alle Ungeſchicht. Das Almoſen ludert und ſpielt, das Almoſen raubet und ſtiehlt, das Almoſen keiner Büberei bevilt, das Almoſen tanzet und ſpringt, das Almoſen alle Unrecht verbringt. Das Almoſen jaget und bist. Das Almoſen krieget und raiſt. Das Almoſen Witwen und Waiſen naiſt(plagt).“„Die Beiſchläferinnen,“ ſagt Mathias Crocow, Biſchof v. Worms,„find ſo prachtvoll gekleidet und fo ehrenvoll ausgelten, als ob das Concubinat nicht verboten wäre.“ Walchius Monuenta mediaevi Vol. II, Fſc. 1, Kap. 2. Brants„Narrenbeſchwöng“, Kap. 32, 50 ff.