Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
42
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42 Skizzen.

Man wende nicht ein, daß die Laien im XV. Jahrhun­dert die Doppelſtellung der Biſchöfe als Hirten und Landes­herren nicht allzu drückend empfunden hätten.

Die Verwünſchungen, die nach ſeiner Abſage die Nürn­berger gegen den Biſchof von Bamberg ausſtießen,der ihr geiſtlicher Vater und Vorſteher ſein ſollte, wurden überall in ähnlichen Fällen laut.)

Ketzermeiſter undRokyzana ſchalten die Uffenheimer den Biſchof Johann v. Würzburg, der mit Huſſiten vor ihren Mauern lag.)

Das Wort, das Jeſus den Juden entgegengeſchleudert, Gottes Gebot ſetzt ihr beiſeite und haltet auf Menſchen­ſatzung, wurde damals bereits den Biſchöfen vorgehalten.

Um ihren Lüſten fröhnen zu können, erhöhten manche Geiſtliche immer wieder Sporteln und Taxen; genügten die ſo gewonnenen Summen nicht, ſcheuten viele Geiſtliche vor Ge­walttat und Unterſchlagung,) ja vor Wucher) nicht zurück.

Die Verweltlichung des höheren Klerus war nicht zum wenigſten durch die ſtrenge Ausſchließung bürgerlicher Ele­mente aus den Domkapiteln und den Kapiteln der reichen Klöſter verſchuldet. 8

Die höheren geiſtlichen Stellen waren zu Sinekuren für die jüngeren Söhne adeliger und fürſtlicher Familien geworden.

) Münchener Hofbibliothek, Manusc. Verantwortunglibell des Rates, S. 184. Die Biſchöfeſind zum Kriegen worden dach, viel heilige Väter haben den Glauben gelehrt und haben viel Volk zum Chriſtenglauben bekehrt. Der Glaub durch ſie wird wiederum zer­ſtört. Liliencron, a. a. O., S. 415.

2) Rothenburger St. A., Wernitzers Chronik, S. 457.

) Chmel Regeſta Friderici IV, Bd. I, S. 253. Kaiſer Friedrich erläßt einen Steckbrief hinter einem flüchtigen Domherrn,der ſeinem Gottshaus ettwevil Guts entfremdet hat.:

) Burkhardt,Das V. merk. Buch, S. 28.Sie wuchern gar ſo gröblich, daß es Sünd und Schand iſt und daß ſich kein Jude hierinnen vor ihnen, als ſie ſelbſt klagen, ernähren kann, ſchreibt Markgraf Albrecht über die Geiſtlichen der Mark.