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44 Skizzen.
ſicherter denn je. Selbſt die Stürme der Reformation, die ſo viele Klöſter hinwegfegten, konnten nicht mehr an den Grundfeſten ſeines ſtolzen Baues rütteln. Solche Wandlung hatte in kaum drei Jahrzehnten der eiſerne Wille, die unermüdliche Zähigkeit eines Mannes vermocht.“)
Mehr als die nützlichen und wohlgemeinten geiſtlichen Inſpektionen, die zahlreichen, von dem beſten Willen beſeelten Synoden, die doch nur auf kurze Zeit oder gar nicht Ordnung zu ſchaffen wußten, wären bürgerliche Abte wie Ulrich Röſch für viele verkommene adelige Kloſterkapitel nötig geweſen.
Natürlich wäre die Hinzuziehung des bürgerlichen Elementes wohl nützlich, keinesfalls aber das Allheilmittel geweſen.
Es gab im Reiche genug Bettelorden und Nonnenklöſter, deren Sittenloſigkeit nicht übertroffen werden konnte, obgleich ihre Glieder wohl lediglich dem Bürger- oder Bauernſtande entſproſſen waren; nur durch die größere Roheit und Geſchmackloſigkeit ihrer Vergnügungen, durch die kleinlichere Art, ihre Habgier zu befriedigen, unterſchieden viele bürgerlichen Patres ſich von ihren adeligen Vorbildern.
Andererſeits gab es im XV. Jahrhundert eine Reihe edelgeborener Biſchöfe, Abte und Geiſtliche, die fromm und gelehrt, ſittenrein und voll von heiligem Eifer für ihren hohen Beruf waren.)
Das Argernis, das ihre Standesgenoſſen boten, konnten ſie nicht aus der Welt ſchaffen, ſo ſehr ſie ſich mühten, in
) Dierauer,„Geſch. der Schweiz. Eidgenoſſenſch.“, Bd. u, S. 308—315. v. Arx,„Geſch. des Kantons St. Gallen“, S. 432433. Dierauer,„Allgem. deutſche Biographie“, Bd. 29, S. 161163.
)„Kirche und Proteſtantismus“, die Tendenzſchrift eines katholiſchen Theologen, die eine große Zahl trefflicher Biſchöfe namhaft macht. Vergleiche auch die Klage des Karthäuſers Jakob von Jüterbock, de negligentia praelatorum. Ulm
ann,„Reformatoren vor der Reformation“, S. 203.