Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
46
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46 Skizzen.

Auf ſolche Stimmen zu hören, hätte die Kirche um ſo mehr Veranlaſſung gehabt, als gerade damals in den Univerſi­täten ſich ein friſches Leben regte, ſie die Brennpunkte des gei­ſtigen Lebens im Reiche wurden.

Die unfruchtbaren Wortklaubereien und erklügelten Spitzfindigkeiten der alten Scholaſtiker fanden ſeit der groß­artigen Wirkſamkeit des Nikolaus von Cuſa nur noch wenige Hörer. Dagegen griffen die jüngeren Scholaſtiker auf die Bibel, die Schriften der Kirchenväter und vor allem auf die Werke des Thomas von Aquino zurück, deſſen Eifer und tiefe Gelehrſamkeit nie wieder ſo begeiſterte Verehrer ge­funden hat, wie im XV. Jahrhundert.

In der zweiten Hälfte dieſes Jahrhunderts brandete auch endlich die gewaltige italieniſche Geiſtesſtrömung der Re­naiſſance an die Pforten der deutſchen Univerſitäten.

Die Apoſtel des Humanismus, wie Nikolaus von Cuſa und Aeneas Silvius und viele von den italieniſchen Univerſi­täten heimkehrende deutſche Studenten brachten die Luſt und Liebe an den Feinheiten der lateiniſchen und griechiſchen Sprache, an dem Studium der klaſſiſchen Schriftſteller über die Alpen.

Die damals neu erfundene Buchdruckerkunſt, die von Deutſchland aus in kurzer Zeit die Welt eroberte, warb dem Humanismus bald in weiten Kreiſen Anhänger. In wenigen Jahrzehnten hatten die Deutſchen mit angeborener Gründlich­keit den Vorſprung der Italiener beinahe eingeholt.O weh, durch unſere Verbannung iſt Griechenland über die Alpen geflogen, ſo klagte Johannes Argyropulos, der nach dem Falle Konſtantinopels in Rom die griechiſche Sprache lehrte, als der junge Reuchlin fließend eine Stelle aus dem Thucidides las und überſetzte.)

Die älteren Humaniſten ſtanden noch ganz auf dem Boden der Kirche, ja, fürchteten oft ihr Seelenheil durch die

) Geiger,Renaiſſance und Humanismus, S. 324.