Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
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Skizzen. 47

dauernde Beſchäftigung mit heidniſchen Schriftſtellern zu ge­fährden. Auch die frivolen und unzüchtigen Schilderungen der Italiener fanden damals im Reiche nur wenige Nachahmer.

Dagegen wurden durch das Studium der alten Schrift­ſteller auch andere Bereiche der Wiſſenſchaft befruchtet.) Die Medizin, Geographie, Mathematik und Aſtronomie gewannen neue Anregungen. Vor allem in Wien ſtudierte man die na­turwiſſenſchaftlichen Fächer mit Eifer.

Im ganzen Reiche erfaßte Alt und Jung ein ungeahnter Bildungsdrang. Die ſieben alten Univerſitäten?) genügten bald dem Bedürfniſſe nicht mehr; in zwanzig Jahren wurden ſieben neue gegründet.)

Knaben von zwölf Jahren und Männer in Amt und Würden traten in die Artiſtenfakultät ein, deren Beſuch die zu anderen Studien notwendige philoſophiſche und philologiſche Vorbildung gewährte.

Der Magiſter wohnte mit ſeinen Schülern in denBur­ſen genannten Stiftungshäuſern zuſammen; gegen beſtimmtes Entgelt gab er ſeinen Schülern Unterricht, kleidete und nährte ſie.) Armere, die keines der zahlreichen Stipen­dien erhaſchen konnten, wurden wohl auch umGottes Willen

1) Paulſen,Geſch. des gelehrten Unterrichts auf den deut­ſchen Schulen und Univerſitäten vom Ausgang des Mittelalters bis zur Gegenwart mit beſonderer Rückſicht auf den klaſſiſchen Unterricht, Bd. 1.

2) Prag, Heidelberg, Wien, Köln, Erfurt, Leipzig, Roſtock. Nie­driger wie üblich ſchätzt die Zahl der Studierenden Paulſen, Gründung uſw. der deutſchen Univerſitäten. SybelsHiſt. Zeit. XXXXV., S. 251 ff.

3) 14561477 Greifswald, Baſel. Freiburg, Ingolſtadt, Trier, Tübingen, Mainz.

9) Wie energiſch die Profeſſoren für ihre Studenten bei Händeln gegen Adelige und Bürger Partei ergriffen, und die Jurisdiktion der Univerſitäten ſchützten, vgl. Chmel,Beitr. 3. Beleuchtung der kirch­lichen Zuſtände Oſterreichs im XV. Jahrhundert. Aus dem 2. Bd. der Denkſchr. d. Phil. hiſt. Klaſſ. d. königl. Akademie der Wiſſenſch., S. 1214. Mit Aufhebung der Univerſität und Auswanderung drohten die Profeſſoren, wenn ihren Schülern nicht Genugtuung gewährt würde.