48 Skizzen.
aufgenommen.!) Die älteren Schüler waren verpflichtet, die jüngeren zu unterrichten. Lehrend und lernend bildeten fie ſich weiter, bis fie die Magiſterwürde erlangt hatten. Der Ruf der deutſchen Univerſitäten reichte bald weit über die Grenzen des Reiches. Vor allem Studenten aus den ſkandinaviſchen Reichen, aber auch aus Spanien, Frankreich, Polen und England lernten in deutſchen Hörſälen. Noch verſchiedener wie die Nationalität, war die ſoziale Stellung der Hörer. Neben Abten, Prälaten und Prinzen ſaßen Handwerker und Bauernſöhne.
Aber nicht nur in den Städten, die Univerſitäten beſaßen, ſondern aller Orten regte ſich der gleiche Bildungseifer. Vor allem in Nürnberg, aber auch in anderen freien Reichsſtädten ſammelten ſich Gelehrte und Künſtler, die unter den reichen Kaufherren viele verſtändnisvolle Förderer fanden.
Die durch hohe Mauern und Türme geſchützten Gemeinweſen, deren Bürger bisher nur für Handel und Gewerbe Intereſſe gehabt hatten, wurden wahre Bildungs⸗ und Kulturſtätten.
Das Leben und Treiben, Wirken und Schaffen in den Städten bietet das anziehendſte und farbenfroheſte Bild dieſes Jahrhunderts.
Die urſprünglich hörigen Handwerker hatten ſich um die Jahrhundertwende in geſchloſſenen Vereinen den ratsfähigen, meiſt ritterbürtigen Geſchlechtern gegenüber geſtellt; Anteil am Regiment hatten ſie, die ja auch mit Gut und Blut der Vaterſtadt dienten, verlangt. Nach hartem Kampfe hatte„das Prinzip des lebenskräftigen Fortſchrittes und der aufſteigenden wirtſchaftlichen Entwicklung eine verknöcherte Geſchlechterherrſchaft“ niedergerungen.„Zum erſten Male in der Geſchichte war das Recht und die Ehre der Arbeit zur Anerken
*) Über das„Vagantenweſen“,— Studenten, die nirgends ſeßhaft blieben, bettelnd und ſtehlend von Schule zu Schule wanderten,— vgl. Schultz,„Deutſches Leben im XIV. und XV. Jahrh.“, Bd. 1. S. 200.