Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
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Skizzen. 49

nung gebracht worden.) Aber ob, wie in Straßburg, Köln und Zürich, die Zunftmeiſter im weſentlichen das Regiment beſtimmten, oder ob, wie in Bern und Nürnberg, nur von den Zünften kontrolliert, das Patriziat herrſchte, in allen Städten hatte ſich ein einheitlicher Bürgerſtand gebildet.?) Die in Zünften gegliederte Maſſe nahm am politiſchen Leben des Ge meinweſens teil, gewann Intereſſe an ſeiner Freiheit und Blüte.?) DasIndividuum ſtellte ſich freudig in den Dienſt der Geſamtheit nach dem Grundſatze:Alle für einen, einer für alle!

In der Mitte des XV. Jahrhunderts begann in des Reiches Städten ein geiſtiges Leben, ein tatkräftiges Wirken und Schaffen, das in den letzten Jahrzehnten des Jahrhun­derts das Staunen der Welt erregte.Kaum ein Volk glich damals dem deutſchen im emſigen Sammeln und Vermehren ſeines geiſtigen Eigens, an allſeitiger Liebe und Pflege der Wiſſenſchaft und Kunſt, an lebhafteſtem Intereſſe für die reichen Errungenſchaften der Zeit auf allen Wiſſensgebieten.) Wie falſch beurteilt Machiavell in ſeiner Beſchreibung Deutſch­lands das Leben in den Städten.Ecosi si godano questa loro rozza vita et liberta frei, aber roh nennt er es.

Man ſieht, daß dem Italiener überhaupt nur die freien Reichsſtädte, nicht aber die fürſtlichen und biſchöflichen Städte, unter denen nur Wien ſich mit ihnen meſſen konnte, beachtens­wert erſchienen.

Die volkswirtſchaftlichen Kräfte aber, die ſich aller Orten

1) Preuß,Die Entwicklung d. deutſchen Städteweſens, S. 77.

2) Litteratur z. Verfaſſungs⸗, Rechts⸗ und Verwaltungsgeſch. d. Städte bei Schröder,Lehrb. d. deutſchen Rechtsgeſch., Seite 588 bis 590.

3) Eine Art Konſtitution für Köln aus der Mitte des XV. Jahr­hunderts iſt die Urkunde:Stadtrecht und Bürgerfreiheit bei Stein. Akten zur Geſch. d. Verw. u. Verfaſſung v. Köln, Bd. II, 716726.

4) Bachmann,Deutſche Geſch., I., S. 3. Der zum Beweis einen Beſuch im Nürnberger Germaniſchen Muſeum anratet.

Markgraf Albrecht Achilles I.. 4