Skizzen.
Die haushälteriſche und doch, wenn es wertvolle Erwerbungen, feierliche Empfänge oder Geſandtſchaften galt, niemals knauſerige Finanzverwaltung der Städte gewann überall Vertrauen und Kredit. Mit nur 4 Prozent verzinſte die Stadt Nürnberg die Stadtſchuld, in einer Zeit, in der 20—90 Prozent Zins für ohne Unterlage geliehenes Geld nichts Ungewöhnliches war.“) Ein einträgliches Geſchäft betrieben die Städte auch durch ihre Rentenverſicherung. Fürſten, Edele und reiche Bürger kauften ſich oder ihre Frauen und Kinder in großer Zahl in dieſe Verſicherung ein; die Stadt zahlte meiſt ein Zehntel des Kapitals als jährliche Rente auf Lebenszeit des Beſitzers.
So hatten die Reichsſtädte ſtets flüſſiges Geld und brauchten es klug.
1) Wenn Hegel, Städte⸗Chr., I, S. 295, die Finanzwirtſchaft Nürnbergs als nicht beſonders gewiſſenhaft bezeichnet, da ſie ſtets mit großen, zinslos liegenden Kaſſenüberſchüſſen gearbeitet habe und die Zinſen der Stadtſchuld faſt allein die Hälfte der Geſamtausgaben gebildet hätten, ſo muß dem entgegengehalten werden, daß in der da— maligen Zeit ſtets flüſſiges Kapital ſchon aus politiſchen Gründen notwendig war, und daß die Stadt töricht geweſen wäre, die Steuerkraft ihrer Bürger übermäßig anzuſtrengen, ſo lange ſie noch zu dem gezahltem, außerordentlich geringem Satze Geld erhielt.„Wenn man auf dieſem Wege fortfuhr, ging man dem unausbleiblichen Ruin entgegen,“ meint Hegel bezüglich der Verwaltung des Jahres 1443. Zwanzig Jahre ſpäter aber kaufte Markgraf Johann, der die Verhältniſſe in Nürnberg doch genau kannte, ſich zum üblichem Satze für einen größeren Betrag eine Leibrente. Der Kredit, den Nürnberg genoß, war durchaus von der Konjunktur und der Finanzlage der Stadt abhängig. Als die Stadt 1427 zur Bezahlung für die ihr überlaſſenen Güter und Rechte des Burggrafen Anleihen aufnahm, konnte ſie nur die erſte Anleihe mit 4 Prozent unterbringen; als aber eine zweite Anleihe notwendig geworden war, mußte ſie dieſe mit 5 Prozent verzinſen. Selbſt wenn Nürnberg im Jahre 1443 27 000 Pfund Heller(noch nicht 20 000 Gulden) Zins für die geſamte Stadtſchuld zahlen mußte, ſo bedeutete das für eine ſo reiche Stadt wenig. Über die Leibrenten- und Ewigkeitsgültenverſicherung Nürnbergs vgl. Sander,„Die reichsſtädtiſche Haushaltung Nürnbergs“, S. 405415 u. S. 714. Vgl. auch Stein, Akten 8. Geſchichte der Verfaſſung und Verwaltung der Stadt Köln, I, S. 595.