Skizzen. 57
Den deutſchen Königen hatten ſie einſt die Vogtei, den Blutbann, das Recht, das Schultheißenamt zu beſetzen, Ungeld, Zoll, Münze, oft auch den Judenzins und die drückendſten Reichsſteuern abgekauft. Aus Privilegien, Verträgen, Käufen, Pfandſchaften erwuchſen ihnen dann immer neue Rechtstitel. In immer weiterem Umkreiſe ſchloſſen ſie fürſtliche Ein— miſchung in ſtädtiſche Angelegenheiten aus. Ulm beſaß eine Grafſchaft des Reiches, Nürnberg, Augsburg, Hall, Rothenburg und manche andere Reichsſtadt weites Gebiet.“)
Wie in der Finanzwirtſchaft, herrſchte Ordnung im Ge— richtsweſen; Richter und Gerichtsbeamte wurden von dem Rate der Stadt beſtellt, eiferſüchtig wachte man, daß kein Bürger vor ein fremdes Gericht geladen wurde.“)
Wagte ein Bürger einer Reichsſtadt gegen das Urteil des Stadtgerichtes an das Hofgericht des Königs zu appellieren, ſo ſcheute der Rat weder Mühe noch Beſtechung, um das höchſte Gericht zu veranlaſſen, ſich für inkompetent zu erklären. Der Rat von Regensburg ſetzte es ſogar durch, daß das Hofgericht Regensburger, die gegen das Urteil des Stadtgerichts appelliert hatten, für„ungehorſam und meineidig“ erklärte.“)
Der Rat von Augsburg ließ zwei Bürger hinrichten, die ihre Mitbürger vor die heimlichen weſtfäliſchen Gerichte geladen hatten.“)
Auch das Schul- und Armenweſen hatten die Städte im XV. Jahrhundert vielfach der Geiſtlichkeit aus der Hand genommen.) Die Spitäler waren reich dotiert mit wiſſenſchaft—
) Droyſen, Hiſt. Handatlas, Karte 32.|
2) Über das Gerichtsweſen im Reiche wird im II. Bande im Kapitel„Das Nürnberger Landgericht“ ausführlicher gehandelt.
3) Nürnberger Kr. A. Briefbücher, XXII, S. 44.
4) Johannes Datt, Volumen rerum Germanicarum ed. 1689, Novum liber, V, S. 75 ff. N
5) Kaemmel,„Geſch. d. deutſchen Schulweſens im Übergange vom Mittelalter“.