Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
61
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Skizzen. 61

Zunft unmöglich. So hatte die Zunft nicht nur politiſche, ſondern vor allem eine gewerbliche Bedeutung.) Sie war Lehrerin und Schützerin ihrer Glieder.

Gerade weil der deutſche Handwerker vor allem Händler war, weil er in der Hauptſache nicht Kundenarbeit verrichtete, ſondernfür den Markt, für unbekannte erhoffte Käufer arbeitete,?) war die Zunft für ihn wichtig. In Zeiten der Not bildete die Zunft einen Ring, ſetzte mit Bewilligung des Rates die Preiſe für die Waren feſt und beſchränkte die Produktion,) ſo daß jeder Meiſter ſeineehrbare Nahrung finden konnte. Nur die Gewerbe, die ſich in einem Zunftverbande zuſammen­geſchloſſen hatten, vermochten außer auf den großen Meſſen den unerwünſchten Wettbewerb von dem heimiſchem Markte fernzuhalten.) Im XV. Jahrhundert machten ſich die ſeloſt­verſtändlichen Folgen ſolcher Ausſperrung und aller dieſer Schutzmaßregeln, mit denen man üÜberlebtes ſchützte, Lebens­fähiges fernhielt, noch nicht geltend. Aber ſchon damals ſetzte die zünftige Gliederung der freien Bewegung des einzelnen Maß und Grenze.

Nur ſelten tritt der Individualcharakter des ſchaffenden Meiſters in feinem Werke deutlich hervor.)

Aber die ſtrenge Geſetzmäßigkeit des Entwurfes, die Gliederung und treffliche Ausarbeitung der Einzelteile, denen ein gotiſcher Bau vor allem ſeine Wirkung, ſeinen belebten Aus­druck verdankt, war doch nur durch die vorzügliche und gleich­

eld. Das Aufkommen des Handwerkerſtandes im Mittel­alter, S. 33.

2) Keutgen, Amter und Zünfte, S. 133. Wohl zu unter­ſcheiden von der im allgemeinen erſt ſpäter einſetzenden Ringbildung im Handwerk ſelbſt. Lamprecht,Zum Verſtändnis uſw. uſw., Z. f. Sozial⸗ u. Wirtſchaftsgeſch., Bd. I, 208.

3) Kloſe, Geſch. v. Breslau, Stenzel, Scriptores rer. Si­leſiacarum, Bd. III, S. 113.

) Keutgen,Amter und Zünfte, 250 252.

5) Natürlich giebt es gegen dieſen Satz manche bedeutſame Aus­nahme, z. B. Erwins Faſſade des Straßburger Münſters uſw.