Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
62
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62 Skizzen.

förmige Ausbildung jedes Meiſters, der zur Mitwirkung berufen war, möglich. Wenn wir durch die alten Dome wan­deln, wenn wir ihre mächtigen Glocken ſchallen hören, begreifen wir erſt, wie Großes in einträchtiger Arbeit der Baumeiſter, Steinmetz, Zimmermann, Erzgießer, Holz: und Elfenbein­ſchneider, Schloſſer, Glasbrenner, Silber⸗ und Goldſchmied geleiſtet haben.)

Keſſelſchmiede waren und nannten ſich die Männer, denen die Kirchen ihre herrlichen Glocken dankten.) Hand­werkerarbeit verrichteten Künſtler.|

Weit über des Reiches Grenze hinaus drang der Ruf des deutſchen Kunſthandwerkes.?) Die ſchönſten Kirchen in England und Spanien, auch viele in Oberitalien, verdanken deutſchem Kunſtſinne, deutſchem Fleiße ihre Entſtehung.

Selbſt der Hausbau der wohlhabenden Patrizier war gemütvoll und durchaus harmoniſch durchgebildet. Zimmer, Erker, Türmchen und Giebel gaben dem Hauſe nach außen ein ſtattliches Ausſehen. In die Höfe treten Galerien und Stiegen­häuſer vor und verleihen ihnen ein Bild maleriſch bewegten Lebens. Freilich waren die Gaſſen krumm und winklig, hatten nicht Luft noch Licht, wie moderne Prachtſtraßen. Die oft vor Jahrhunderten angelegte Ringmauer verbot jede Raumver­ſchwendung. Aber die Zimmer waren behaglich und zweck­mäßig eingerichtet. Die geſchmackvolle und gewiſſenhafte Aus­führung der Zimmerdecken, Schränke, Truhen, Tiſche und Stühle, die Gediegenheit des ganzen Hausgerätes haben das Kunſtgewerbe bis in die jüngſte Zeit beeinflußt.

Die öffentlichen Gebäude und viele Privathäuſer waren häufig mit Fresken bedeckt.) In den Zimmern fanden ſich

1) Kraus, Geſch. d. chriſtl. Kunſt, Bd. II. S. 252262.

) Augsburger St. A. Miſſivenbuch, 105, IV, a. S. 143.

3) Hirth,Das deutſche Zimmer, S. 26.

) Buchwald,Das deutſche Geſellſchaftsleben im ausgehen­den Mittelalter, Bd. 1, 28.