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förmige Ausbildung jedes Meiſters, der zur Mitwirkung berufen war, möglich. Wenn wir durch die alten Dome wandeln, wenn wir ihre mächtigen Glocken ſchallen hören, begreifen wir erſt, wie Großes in einträchtiger Arbeit der Baumeiſter, Steinmetz, Zimmermann, Erzgießer, Holz: und Elfenbeinſchneider, Schloſſer, Glasbrenner, Silber⸗ und Goldſchmied geleiſtet haben.“)
„Keſſelſchmiede“ waren und nannten ſich die Männer, denen die Kirchen ihre herrlichen Glocken dankten.) Handwerkerarbeit verrichteten Künſtler.|
Weit über des Reiches Grenze hinaus drang der Ruf des deutſchen Kunſthandwerkes.?) Die ſchönſten Kirchen in England und Spanien, auch viele in Oberitalien, verdanken deutſchem Kunſtſinne, deutſchem Fleiße ihre Entſtehung.
Selbſt der Hausbau der wohlhabenden Patrizier war gemütvoll und durchaus harmoniſch durchgebildet. Zimmer, Erker, Türmchen und Giebel gaben dem Hauſe nach außen ein ſtattliches Ausſehen. In die Höfe treten Galerien und Stiegenhäuſer vor und verleihen ihnen ein Bild maleriſch bewegten Lebens. Freilich waren die Gaſſen krumm und winklig, hatten nicht Luft noch Licht, wie moderne Prachtſtraßen. Die oft vor Jahrhunderten angelegte Ringmauer verbot jede Raumverſchwendung. Aber die Zimmer waren behaglich und zweckmäßig eingerichtet. Die geſchmackvolle und gewiſſenhafte Ausführung der Zimmerdecken, Schränke, Truhen, Tiſche und Stühle, die Gediegenheit des ganzen Hausgerätes haben das Kunſtgewerbe bis in die jüngſte Zeit beeinflußt.
Die öffentlichen Gebäude und viele Privathäuſer waren häufig mit Fresken bedeckt.) In den Zimmern fanden ſich
1) Kraus, Geſch. d. chriſtl. Kunſt, Bd. II. S. 252262.
) Augsburger St. A. Miſſivenbuch, 105, IV, a. S. 143.
3) Hirth,„Das deutſche Zimmer“, S. 26.
) Buchwald,„Das deutſche Geſellſchaftsleben im ausgehenden Mittelalter“, Bd. 1, 28.