Skizzen. 63
Wandmalereien. Selbſt ärmere Bürger ließen ſich ihren Schutzpatron oder die Muttergottes über das Tor ihres Hauſes malen.
Doch vertrug die Malerei die Eingliederung in den Zunftverband am ſchlechteſten. In Italien waren damals ſchon die Maler die Freunde der Fürſten. Im Reiche waren ſie die Zunftgenoſſen von Glaſern und Buchbindern.“)„Schrie Kunſt“ ſchrieb damals Lukas Moſer von Weil unter ein Altarbild. Die Schildereien auf den Häuſern ſind wohl volkstümlich, aber ohne jedes tiefere Empfinden gemalt.„Kein zartes Sinnen, keine ätheriſche Grazie gibt es.“ Die Heiligen auf den Altarbildern ſind fratzenhaft verzerrt; aus ihren Augen fließen Tränen, aus ihren Wunden Blutstropfen wie kleine Kugeln. Nur die Brüder van Eyck in Brügge,) Rogier van der Weyden in Brüſſel und einige Meiſter der Kölner Schule“) machen rühmliche Ausnahmen.
In Nürnberg ſchufen Meiſter Berthold, der Meiſter des Wolfgang Altares und nach ihnen Meiſter Pfenning ihre naiven, durch die Innigkeit des Ausdruckes rührenden Altarbilder.“)
In den Kupferſtichen eines Martin Schongauer,) in den Holzſchnitten eines Pfleydenwurff kündete ſich nur ſchüchtern die kommende große Zeit der Dürer und Holbein.
1) Muther,„Geſch. der Malerei“, S. 114 u. 117.
2) Schnaaſe,„Geſch. der bildenden Künſte“, Bd. VIII.
3) Merlo,„Die Meiſter der altkölniſchen Malerſchule“. Vor allem iſt Stephan Lochener hervorzuheben. Vgl. auch Mer lo,„Nachr. von Kölner Künſtlern“ und Schnaaſe, a. a. O., Bd. VI, 359 ff. Vgl. auch Publikationen der Geſellſchaft f. rheiniſche Geſch., Heft IX. Scheibler,„Die anonymen Werke der altkölniſchen Malſchule“. Eines der beſten Bilder der fränkiſchen Schule iſt das Bamberger Altarbild im bayer. Nationalmuſeum.
) Thode(„Die Malſchule im XIV. und XV. Jahrh. uſw.“, S. 17-77) rühmt dieſe Bilder außerordentlich.
5) Woltmann⸗Woermann, Geſch. der Malerei“, Bd. II, S. 104—110. Burkhardt,„Die Schule Martin Schongauers am Oberrhein.“