Skizzen. 65
weilig. Ganz ſeltſam mutet häufig eine nach unſerem Gefühl „unerhörte Miſchung des Hochheiligen und Burlesken“ an.“) Nur hier und da findet ſich ein keckes Liebeslied, als deſſen Dichter ſich ein fröhlicher Jäger oder ein frommer Reiter bekennt, das natürlich und voll Anmut iſt, das freche Spottlied eines Fahrenden voll ehrlicher Entrüſtung und nicht ohne Witz, ein frommes Kirchenlied wie„Gelobet ſeiſt du, Jeſu Chriſt“ oder„Aus tiefer Not ſchrei ich zu dir“, die noch heute voll Andacht geſungen werden. Wenige Lichtblicke!
; Auch die Proſadichtung gewinnt erft am Ende des XV. Jahrhunderts an Bedeutung. In dieſer Zeit wurden die hübſchen Geſchichten zum erſten Male gedruckt, die noch heute die Jugend erfreuen. Die tollen Streiche des Till Eulenſpiegel, die Leiden der treuen Griſeldis, die ihr eiferſüchtiger Markgraf ſo grundlos verſtieß, und die Abenteuer des Fortunatus mit ſeinem Wunſchhütlein wurden damals erſt Gemeingut des deutſchen Volkes.
Nur die zunehmende Zahl und die wachſende Bedeutung der Chroniken gibt von den regeren geiſtigen Intereſſen dieſer Zeit Kunde.
Vor allem in Süddeutſchland und in der Eidgenoſſenſchaft wurden Chroniken geradezu im Auftrage der Gemeinden verfaßt. Der tapfere Schwyzer Fründ, der gelehrte Breslauer Stadtſchreiber Eſchenloer, die Ritter Ebran von Wildenberg und Ludwig von Eyb, der ſpießbürgerliche Augsburger Burkard Zink, der wackere Nürnberger Bürgermeiſter Schürſtab, der fleißige Benediktiner Sigmund Meiſterlin und viele andere griffen damals zur Feder, um treuherzig und meiſt nicht ungewandt ſpäteren Geſchlechtern von den Geſchehniſſen ihrer Zeit
) Haſe,„Das geiſtliche Schauſpiel“, S. 79. Vgl. Wilken, Geſch. der geiſtlichen Spiele in Deutſchland“, S. 181. Neben dieſer kecken humoriſtiſchen kam damals auch eine moraliſche Richtung mit abſtrakt dogmatiſchem Charakter auf. Wilken, a. a. O., S. 259.
Markgraf Albrecht Achilles I 5