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und dem Ruhme ihrer Vaterſtadt oder ihres Fürſten zu erzählen.“)
Da die Städte die eigentlichen Stätten der Bildung waren, ſo ſind natürlich die Städtechroniken weit zahlreicher als alle anderen.
Dieſe Chroniken geben uns das beſte Bild von dem Leben und Treiben in den Städten. Aus ihnen, ſowie aus den ſorgfältig geführten Briefbüchern der Stadträte lernen wir am beſten ihre Politik und ihr Verfaſſungsleben kennen.
Die geſamte Staatsgewalt lag in den Händen des Rates, deſſen Mitgliedſchaft Ehrenamt war. Die demokratiſche Verfaſſung der meiſten Städte, die Macht der Zünfte, die leichte Verleihung des Bürgerrechtes, die Liberalität bei der Aufnahme in das Patriziat') verbürgten damals noch, daß nicht Verknöcherung oder eine allzu unbeſcheidene Vettern⸗ und Günſtlingswirtſchaft Platz griffen, wie ſie ſtrenger Abſchluß in jedem Gemeinweſen zu bilden pflegt.
Die geſchäftskundigen Kaufherren erwieſen ſich oft als fähige und würdige Diplomaten; bei ſchwierigen Verhandlungen und Prozeſſen freilich verwandte der Rat meiſt einen der angeſtellten Stadtjuriſten, die ſich bei dieſen Anläſſen oft ſolches Anſehen erwarben, daß benachbarte Fürſten die Städte erſuchten, in ſchwierigen Lagen ihre Sache durch den Stadtjuriſten vertreten laſſen zu dürfen.“)
So waren Gregor Heimburg und Martin Meier zu gleicher Zeit Stadtjuriſten in Nürnberg, dazu wurde noch Heinrich Leubing, Pfarrer von St. Sebalt, und Dr. Knorr für politiſche Sendungen gebraucht.
1) Vgl. Kern, Städtechronik, X, S. 48.
2) Städte⸗Chr., Bd. I, S. 215.
3) So erbitten 1446 innerhalb weniger Monate Erzbiſchof Jakob von Trier, Herzog Heinrich von Landshut, Herzog Albrecht von München, Herzog Albrecht von Oſterreich und die Stadt Nördlingen den Dr. Gregor Heimburg vom Rat der Stadt Nürnberg. Nürnberger Kr. A. Briefbücher, XVIII.