Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
68
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Skizzen.

Es hätte vielleicht nur einer machtvollen, hinreißenden Perſönlichkeit bedurft, und den Städten wäre gelungen, was ſie im XIV. Jahrhundert geplant hatten. Aus eigener Kraft hätten ſie den verrotteten Zuſtänden im Reiche ein Ende gemacht.

Wohl finden wir unter denEhrbaren in dieſer Zeit manchen klugen Kopf, manches patriotiſche Herz, aber ſehen wir von dem Züricher Hans Waldmann ab kein Genie, nicht einmal ein überragendes Talent. Der Mangel an neue Wege führenden Männern hatte aber auch die völlige politiſche Apathie der Städte in allen Geſchäften, die nicht ſie ſelbſt betrafen, zur Folge. Bis 1400 waren Reichsſtädte rechtlich nur ein Anhängſel des aus König und Fürſten beſtehenden Reichs­tages.) Erſt Kaiſer Sigmunds ſtädtefreundliche Politik:) und vor allem die Geldnot des Reiches brachte den Städteboten auf den Reichstagen mehr Anſehen. Aber ſelbſt in der Mitte des Jahrhunderts wurden ſie noch lange nicht zu allen Ver­handlungsgegenſtänden zugezogen. Wenn ihre Boten mitraten durften, ſo brauchten ſicher der König oder die Fürſten das Geld und die Hilfe der Städte.

Die Städte fühlten ſich zurückgeſetzt und ausgenützt. So verſagten ſie denn auch oft ſelbſt in dringenden, das Wohl des ganzen Reiches betreffenden Fragen. Mit dem Vorwande, ſie müßtendie Sache hinter ſich bringen, haben die Städte­boten manchen Reichstag geſprengt, beſonders, da ſie faſt auf allen Reichstagenin corpore nach vorhergegangener gemein­ſamer Beratung auftraten.)

Denn mochten ſich Fürſten mit Fürſten, Edle mit Edlen

um kleinen Vorteil bekriegen, unter den Städten herrſchte Friede.

) Keuſſen,Die politiſche Stellung der Reichsſtädte, S. 11. 2) Finke,König Sigmunds reichsſtädtiſche Politik. Höfler,Betrachtungen über das deutſche Städteweſen, A. f öſterr. Geſchichtsquell., Bd. XI, 183.;;