Skizzen.
Es hätte vielleicht nur einer machtvollen, hinreißenden Perſönlichkeit bedurft, und den Städten wäre gelungen, was ſie im XIV. Jahrhundert geplant hatten. Aus eigener Kraft hätten ſie den verrotteten Zuſtänden im Reiche ein Ende gemacht.
Wohl finden wir unter den„Ehrbaren“ in dieſer Zeit manchen klugen Kopf, manches patriotiſche Herz, aber— ſehen wir von dem Züricher Hans Waldmann ab— kein Genie, nicht einmal ein überragendes Talent. Der Mangel an neue Wege führenden Männern hatte aber auch die völlige politiſche Apathie der Städte in allen Geſchäften, die nicht ſie ſelbſt betrafen, zur Folge. Bis 1400 waren Reichsſtädte rechtlich nur ein Anhängſel des aus König und Fürſten beſtehenden Reichstages.) Erſt Kaiſer Sigmunds ſtädtefreundliche Politik:) und vor allem die Geldnot des Reiches brachte den Städteboten auf den Reichstagen mehr Anſehen. Aber ſelbſt in der Mitte des Jahrhunderts wurden ſie noch lange nicht zu allen Verhandlungsgegenſtänden zugezogen. Wenn ihre Boten mitraten durften, ſo brauchten ſicher der König oder die Fürſten das Geld und die Hilfe der Städte.
Die Städte fühlten ſich zurückgeſetzt und ausgenützt. So verſagten ſie denn auch oft ſelbſt in dringenden, das Wohl des ganzen Reiches betreffenden Fragen. Mit dem Vorwande, ſie müßten—„die Sache hinter ſich bringen“, haben die Städteboten manchen Reichstag geſprengt, beſonders, da ſie faſt auf allen Reichstagen„in corpore“ nach vorhergegangener gemeinſamer Beratung auftraten.“)
Denn mochten ſich Fürſten mit Fürſten, Edle mit Edlen
um kleinen Vorteil bekriegen, unter den Städten herrſchte Friede.
) Keuſſen,„Die politiſche Stellung der Reichsſtädte“, S. 11. 2) Finke,„König Sigmunds reichsſtädtiſche Politik“. Höfler,„Betrachtungen über das deutſche Städteweſen“, A. f öſterr. Geſchichtsquell., Bd. XI, 183.;;