Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
69
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Skizzen. 69

Freilich, die Bünde der Städte hielten nicht allzu feſt. Eigenbrödelei und die Sucht nach Sondervorteil herrſchten auch hier; trotz aller ſchönen Worte erkannte man noch nicht genü­gend in der gemeinſamen Sache die eigene. Rühmliche Aus­nahmen machte für den Norden und Weſten des Reiches der ſtolze Bund der Hanſa, im Süden die Eidgenoſſenſchaft.

Die Hanſa hatte in Skandinavien, Südrußland, Polen, England, Portugal und Spanien Niederlaſſungen. Die Hauptquartiere des Bundes Lübeck, Danzig, Köln und Braun­ſchweig waren ſo reich wie mächtig. Die Kriegsſchiffe der Hanſa fürchtete man in Dänemark, Schweden und England.)

Seltſam nur erſcheint, daß dieſer mächtige Bund, der mit ſo ſtarker Hand den deutſchen Handel zu ſchützen wußte, ſo oft eine Bundesſtadt im Stiche ließ, die von einem benachbar­tem Fürſten angegriffen wurde, und daß die Hanſa, die in die Politik des Auslandes ſo energiſch und erfolgreich eingriff, den eigenen Gliedern des Bundes gegenüber nur handelspolitiſche

Intereſſen geltend machte.

Viel inniger hatten ſich dieOrte der Eidgenoſſenſchaft zuſammengeſchloſſen.

Nach dem Tode Rudolfs von Habsburg hatten ſich drei Volksgemeinden am Vierwaldſtätterſee verbündet und ſich in dem blutigen Kampfe bei Morgarten ihre reichsunmittelbare Stellung erſtritten. Dieſer Tag hatdie Republik gegründet, die heute die älteſte des Erdballs iſt.)

An dem feſtem Kerne der drei Waldſtätte ſchloſſen ſich in

1) Schäfer,Die Hanſe, Monographien zur Weltgeſchichte, Band XIX.

2) Vgl. Ochslis treffliches, im Auftrage des Bundesrates her­ausgegebenes WerkDie Anfänge der ſchweizeriſchen Eidgenoſſenſchaft, S. 357, und Dierauer,Geſch. der ſchweiz. Eidgenoſſenſch., S. 123.