Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
71
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Skizzen. 71

der Geſchichtsſchreibergewaltige Kriegstaten, die jener Zeit den Stempel der Größe aufdrücken, deren weitreichende Er­folge die Deutſchen begeiſterten und mit ſich fortriſſen.)

In den Schlachten bei Granſon und Murten ſiegte deutſche Tapferkeit gegen welſche Waffenkunſt.)

Leider wurde die überſchäumende Volkskraft nicht immer in die richtige Bahn geleitet. Wie die Alpenbäche von den heimiſchen Höhen in ferne Täler ſtürzen, ſo ſtrömten die ſchweizeriſchen Söldner ins Ausland.) Nicht nur die Sold­heere, die die Tagſatzung befreundeten Städten oder Fürſten zu werben bewilligte, auch auf eigene Fauſt zogen Einzelne und ganze Scharen, unbekümmert ſelbſt um Abmahnungen und Strafen der Tagſatzung, in fremde Dienſte; fo konnte es geſchehen, daß ſich Eidgenoſſen in fremdem Lande im Kampfe gegenüber ſtanden.

DasReislaufen war ein Krebsſchaden an dem geſun­dem Körper der Eidgenoſſenſchaft. Und doch, wo dieſe ſtarken, fröhlichen, in leuchtende Farben gekleideten) Männer fochten,

da gab's noch ein luſtiges Schlagen. Für ſie hieß Kriegführen nicht nur ſengen und plündern, wie es damals barbariſche Sitte geworden war. Wo der Gegner ſich ſtellte, war die Schlacht ſicher, und manche Feſte ſtürmten ſie mit ihren ſcharfen Helle­barden, in die keine Büchſe noch Breſche geſchoſſen hatte. Selbſt

1) Der vorzüglichſte Kenner dieſer Zeit, Bachmann, beklagt ſich daher ſehr zu Unrecht, daß ſolche Kriegstaten fehlen.Deutſche Reichsgeſch. im Zeitalter Friedrichs III. und Max I., S. 3.

2) Mit welcher feſten Zuverſicht man im Reiche ſelbſt vor den burgundiſchen Kriegen auf die Eidgenoſſenſchaft blickte, beweiſen die Lieder Liliencrons, II, 129 ff. Meyer v. Knonau,Die Schweizer hiſt. Volkslieder, 30, 37, 44. Tobler,Die ſchweizeriſchen Volks­Lieder, Bd. I, S. XXVII-XXIX, Bd. II, S. 5269.

3) Von Liebenau,Die Beziehung der Eidgenoſſenſchaft zum Auslande, 14471459. Schweizeriſcher Geſchichtsfreund, XXXII. v. Mülinen,Geſchichte der Schweizer Söldner.

) Ochslis Quellenbuch, S. 283, Paolo Giovios Bericht.