72 Skizzen.
im Norden des Reiches erzählte man ſich, daß die ſtolzen„Burgundier mehr der Switzer Spieße fürchten, wann die Büchſen der Städte und der Fürſten“.)
Die gleichen Männer, die ſich in der Fremde herumgeſchlagen hatten, leiteten, in die Heimat zurückgekehrt, oft als Bürgermeiſter und Landammänner der„Orte“ die Politik der Eidgenoſſenſchaft. Man begreift, welchen feſten Rückhalt jede Freiheitsregung, jede demokratiſche Tendenz im Reiche an der Eidgenoſſenſchaft fand, aber auch den Haß, den alle feudalen Elemente den„Verdruckern des Adels und der Ehrbarkeit“ entgegenbringen mußten.
Dieſer allgemeine Haß hat ebenſo ſehr wie Kaiſer Friedrichs zähes Feſthalten an durch die Tatſachen längſt überholte Anſprüche und wie die erbärmlichen Mittel, mit denen er ſeine Forderungen durchzuſetzen verſuchte, die Abkehr der Eidgenoſſenſchaft vom Reiche veranlaßt.
Der ſüddeutſche Edle war der natürliche, der geborene Gegner der Eidgenoſſen.
Der ſchwäbiſche, fränkiſche und öſterreichiſche Ritter haßte die Eidgenoſſen mit dem natürlichen Haſſe des Angehörigen eines beſiegten Volksteiles gegen den Siegreichen, des Ariſtokraten, gegen den ſich nach ſeiner Anſicht überhebenden Bauern und Zünftler, mit der Rachſucht von Männern, deren Verwandte im eigenen Lande von Volksgenoſſen e erſchlagen waren.
Politiſche Macht und ausgedehnter Beſitz hätten damals dem Adel in ſeiner Geſamtheit eine wichtige, wenn nicht die wichtigſte Stelle im Reiche ſichern müſſen.
Die Miniſterialität hatte ihre rechtliche, wie tatſächliche Bedeutung im XV. Jahrhundert bereits verloren. Selbſt die Erinnerung an einſtige Unfreiheit war geſchwunden.
Stolle, Thüring.⸗Erfurtiſche Chr.⸗Bibl. d. lit. Vereins, Stuttgart, XXXII, S. 108.