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74 Skizzen.
graf Friedrich der Eiſenzahn, dieſen Handel, der ihren„Dienſt ſehr ſchwächte und erniedrigte“, zu verbieten.“)
Der Dienſt ſelbſt, wo er geleiſtet wurde, hatte ſeine Bedeutung verloren. Die böhmiſchen und ſchweizeriſchen Söldner, nach deren Beiſpiele ſich im Reiche aus den Verarmten und Abenteurern aller Stände immer neue Banden bildeten, hatten ein neues Kriegshandwerk geſchaffen, das ſich dem alten feudalen, auf dem die Verfaſſung des Reiches recht eigentlich beruhte, bald als überlegen erwies.
Durch dieſes Söldnerweſen, durch die urſprünglich huſſitiſchen, bald aber überall gebrauchten Wagenburgen, durch Büchſen und Pulver wurde das Kriegführen unendlich verteuert. Das flüſſige Geld, das der auf Naturalwirtſchaft angewieſene Edle nicht beſaß, wurde auch hier für Erfolg oder Mißlingen bald ausſchlaggebend.
In Schwaben, Franken, am Rhein!) und allerorten erhoben ſich auf Bergvorſprüngen mächtige, ſtolze Burgen, die durch ihre natürliche Lage, dicke Mauern und tiefe Gräben
jedem Anſturm zu trotzen ſchienen.
„Nicht zur Behaglichkeit,“ ſchreibt Ulrich von Hutten, „zur Befeſtigung ſind ſie erbaut.“ Innen eng mit Vieh⸗ und Pferdeſtällen zuſammengedrängt; da ſind nahebei dunkle Kammern mit Kanonen, mit Pech und Schwefel und was ſonſt zur Kriegsrüſtung gehört, angefüllt. Überall riecht man den Geſtank des Schießpulvers, dann die Hunde und ihren Unrat.“)
1) v. Raumer, Cod. cont., I, 239.
) Hier ſaß die reichsunmittelbare Ritterſchaft, während in Bayern, Oſterreich uſw. der weitaus größte Teil des Adels rechtlich der Landeshoheit ſeines Landesherrn unterſtand. Doch die Reichsritterſchaft allein vermochte ſogar noch, wie auf dem Rittertage in Eßlingen behauptet wurde, 20 000 Mann zu Fuß aufzubringen, wenn ſie bloß den zehnten Untertan aufbot. A
) Schultz,„Deutſch. Leb. uſw.“ Bd. I. S. 7—16. Wohnl. waren natürlich d. fürſtl. Schlöſſer eingerichtet; künſtleriſcher Schmuck fand ſich auch dort nur in den Kapellen und höchſtens in den Bankettſälen.