Skizzen. 75
In den Inſaſſen lebte noch die alte germaniſche Raufluſt und Beutegier, Motive, die einſt, verſtärkt durch den religiöſen Fanatismus, ihre Vorfahren an die ſyriſche Küſte geführt hatten, deren Befriedigung auch jetzt ein einiges Reich dankbare Aufgaben hätte ſtellen können. Statt deſſen ließ man ſie andere Glieder des Reiches oder ſich ſelbſt in kleinen Fehden zerfleiſchen, im Kampfe gegen die immer ſteigende materielle Not verkommen.
Es waren nicht immer die ſchlechteſten Elemente des Adels, die ſolcher Mangel oder der verbiſſene Haß gegen den wohlhabenden, behäbigen Städter auf ſchlimme Bahn drängte. Mancher, der vorher jede Fehde mit der Ehrlichkeit des Duells getrieben hatte, machte Haß und Habgier zum frechen Buſchklepper, für die ſchon damals Meiſter Seiler feſte Handſtricke zu drehen wußte.
Andere ließen ſich von Fürſten gebrauchen, denen daran lag, Nachbarn Ungelegenheiten zu bereiten oder den Städten in ihrem Gebiete zu beweiſen, wie wenig ſie ſelbſt nur gegen einige fehdeluſtige Ritter ſich zu verteidigen vermöchten.“)
Brachen dann die Städter die Burg eines ſolchen Raubritters, aus, der fie oft maßlos beſchädigt worden waren,“) fo begann ein langwieriger Prozeß. Der Ritter hatte vor Anſage der Fehde den Beſitz der Burg ſeiner Frau, Freunden oder Verwandten verſchrieben; die klagten nun vor dem Kammergericht auf Schadenerſatz.
1) Priebatſch, Die Hohenzollern und die Städte der Mark, S. 14. Kanter, Hans von Rechberg, S. 71.
2) Nach einer Schilderung einiger entſetzlichen Roheiten, die die „Mutwiller“ gegen ſtädtiſche Kaufleute und Knechte ausgeführt hatten, ſchreiben die Boten des ſchwäbiſchen Städtehundes an einige Fürſten: „daß dieſe außer Hauptabſchlagen und Kehlendurchſchneiden“„auch ſonſt ihren Mutwillen mit unbilligen, unziemlichen Sachen begangen haben, beſonders von geborenen Leuten, die dann ehrbar zu ſein meinen.“ Köln. Hiſtor. A. Urk., 2. Dez. 1441.