Skizzen.
Der ökonomiſch beſſer geſtellte Teil des Adels, der auf Luxus nicht verzichten wollte, ſuchte auf anderen Wegen Rettung vor dem drohenden Untergange. Die einen ſchloſſen ſich als Räte, Diener, Amtmänner und Hauptleute an Fürſten oder mächtige Geſchlechter an, andere traten in den Dienſt der reichen Städte.
Viele ſuchten auch ihre Selbſtändigkeit durch gegenſeitigen engen Anſchluß zu wahren. So entſtanden die politiſchen Ritterbünde, wie der des St. Georgenſchildes, von St. Wilhelm, des älteren Löwenbundes, der Böckler, vom Eingehörn, um nur die bedeutendſten zu nennen.“)
Ein großer Teil des Adels, vor allem in den koloniſierten öſtlichen Fürſtentümern, in Pommern und Mecklenburg, Meißen und den Marken war oder wurde in dieſer Zeit zu unzweifelhafter Untertänigkeit gebracht.
Auch der Adel begann ſich zu ſondern. Die Scheidung bewirkte gleichfalls wieder das zu Anſehen gelangte Kapital. Der Unterſchied, ob Ritter oder Junker, wurde in dieſer Zeit weſenlos, denn auch mancher wohlhabende Edle blieb ſein Leben lang„Junker“, da der Ritterſchlag ein gar koſtſpieliger Luxus geworden war.
Aber lediglich der Unterſchied der Vermögensverhältniſſe bedingte, ob ein Edler mit Weib und Töchtern die Turniere beſuchen konnte, an denen ſich feine Turniergeſellſchaft beteiligte, oder nicht. Die durch die Teilnahme an Turnieren bewirkte Standeserhöhung war ſicherlich ungerecht. Der reichgewordene, kaum dem Strick entgangene Buſchklepper konnte, wenn er den Überfallenen immer vorher Fehde angeſagt und„ſeine Ehre verwahrt“ hatte, gern geſehen, das Turnier beſuchen, während mancher arme, aber rechtſchaffene Edle darauf verzichten mußte.
1) Roth von Schreckenſtein, Geſch. der freien Reichsritterſchaft, I, S. 639652. l
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