Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
78
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78 Skizzen.

Wenn es ſpäter ſo weit kam, daß der Turnieradel den minderen Adel durch Landesgeſetz verbieten laſſen wollte, die Freunde und Söhne desmehreren Adelsfreventlich zu dutzen und ſichedel und feſt ſtatt lediglichfeſt oder höch­ſtensfromm und feſt zu nennen,) ſo beweiſt das, wie über­lebt die Oberſchicht dieſes Standes war, mit wie kleinlichen Sorgen ſie ſich in großer Zeit trug, die mehr wie jede andere Zuſammenfaſſung aller gleichartigen Kräfte gebieteriſch ver­langt hätte.

Welche tiefe Kluft trennte doch dieſen Teil des Adels von dem Rechte und Pflichten des Staates faſt in modernem Sinne auffaſſendem Bürger. Der Kaufmann in Nürnberg und Frankfurt ſtand ſeiner Geſinnung und ſeinen Anſchauungen nach dem Handelsfreund in Venedig oder Valencia näher, wie manchem Edlen, der wenige Meilen von ſeiner Heimatſtadt auf einem Schloſſe hauſte. Jagd und Turnier, denen der Bür­ger an frohen Tagen als Luſtbarkeit wohl gerne zuſah, war vielen Edlen, die allein ſtandesgemäße Beſchäftigung; eifer­ſüchtig wachten ſie darüber, daß kein Unedler ſich Turnier­oder Jagdrechte anmaßte.?) Nicht minder kleinlich achteten fie

) Riezler, Geſch. Bayerns, III., S. 748. Nach der Aufzeich­nung des Münchener Stadtſchreibers erzählt R. folgende bezeichnende Anekdote über die ſchlechte Erziehung mancher Edlen. Als der Mün­chener Rat auf dem Rathauſe zum Empfange der Herzogin feines Ge­bäck auftragen ließ,da fielen die Edelleute darein und fraßen's wie die Säue mit beiden Fäuſten; da redeten etliche Burger genug dazu, ob fie ſich deſſen nit ſchameten.

) Die Nürnberger durften ſelbſt in dem der Stadt gehörigen Wald nicht auf Hochwild jagen. Vgl. Qu. und Erörterungen z. b. und deutſchen Geſch. VIII, S. 1617. In manchen Gegenden ſtachen Edle den Wilderern die Augen aus. Als Nürnberger Patrizier nach einer Hochzeit 1446jenes viel berühmte Geſellenſtechen ganz in der Art eines Turnieres abhielten, wurde dieſes Turnier allgemein als eine bisher unerhörte Herausforderung und Verhöhnung des geſamten Adels aufgefaßt. St. Chr. I. S. 218219.

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