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Skizzen. 79
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darauf, daß reiche Bürgerfrauen nicht Kleider oder Pelze wie edle Frauen trugen.“)
So ganz am Außerlichen hing der Sinn dieſes ſichtbarſten Teiles des Adels. Ein Raubritter aber, der ſich durch die beſondere Frechheit ſeiner Züge einen Namen erworben hatte, war trotz des Kaiſers Acht Männern, die die edelſten Namen im Reiche trugen, als Schwiegerſohn willkommen.“)
Selbſt Fürſten vertrauten oft ſolchen Raubgeſellen ihre Heere an und freudig dienten Ritter und Junker unter ſolchem Hauptmann.„Rieten und Roben das iſt keine Schand', das thon die Beſten im ganzen Land“ ſagte damals ein JunkerSprichwort.“)
Den Städtern freilich blieb jeder Raubritter und Wegelagerer ein Mordgeſelle; er war ihnen ſo verächtlich, wie vielleicht dieſen Edlen ein Standesgenoſſe, der Kaufmann geworden war oder eine Bürgerin gefreit hatte.“
Dieſer Teil des Adels war zur Kaſte geworden. Seine Glieder wünſchten in der Mehrzahl nur veraltete Rechte zu be
haupten, alte wie neue Pflichten aber von ſich zu weiſen. Mancher wackere Mann glaubte damals, daß nur die unzähligen Pfründen der Kirche, die den jüngeren Söhnen des „mehreren Adels“ Verſorgung boten, daß die Prälaten aus den edlen Geſchlechtern, die ihren Verwandten und Freunden immer und immer wieder einen Rückhalt gaben, den natürlichen
1) Liliencron a. a. O. I. Nr. 90, Vers 5 und 6.
2) Hans von Rechberg z. B. war in erſter Ehe mit Verena Gräfin von Waldburg⸗Sonnenberg, in zweiter Ehe mit Elsbeth Gräfin von Werdenberg⸗Sargans verheiratet.
3) Vgl. auch die Raubritterlieder bei Uhland, Alte hoch- und niederländiſche Volkslieder, I., Nr. 339 und 369.
) Selbſt Herzog Albrecht von München, der ein armes Augsburger Bürgermädchen, Agnes Bernauer, geheiratet hatte, wurde von ſeines Vaters Edlen von den Turnierſchranken zurückgewieſen und a mit dem„Kolben“ geſchlagen. Riezler, a. a. O., III,
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