Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
81
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Skizzen. 81

Sie waren treue Diener des Reiches, tapfere Männer im Kampfe, milde Herren ihren Bauern und Knechten.

Überhaupt hatten die dienenden Landbewohner in der Mitte des XV. Jahrhunderts ein durchaus erträgliches Leben. Das Grundeigentum gehörte freilich meiſt geiſtlichen und welt: lichen Fürſten, Klöſtern, Stadtgemeinden und Edlen.

Doch fanden ſich im ganzen Reiche auch freie, wohl­habende Bauerngüter.

Ungeteilt erhielt meiſt der älteſte Sohn nach ſeiner Hei­rat vom Vater das Gut. Er übernahm jedoch die Verpflichtung, die Geſchwiſter als unkündbare Dienſtboten auf dem Hofe zu halten. 5

So erbten ſich oft große Vermögen von Geſchlecht zu Geſchlecht, und mancher Edle in bedrängten Verhältniſſen klagte bitter, daß die Bauern reicher wären und mehr Auf­wand trieben, als es dem Adel möglich wäre. So behauptet eine öſterreichiſche Chronik:Die Bauern tragen beſſere Klei­der und trinken beſſeren Wein, denn ihre Herren.)

Überall fanden ſich ſchmucke Bauernhöfe; Wohnung, Stall, Scheune und Schuppen waren im Viereck gebaut.?) Sie ſchienen ein kleines Reich; die Beſitzer kleine Könige.

Die Dörfer hatten zur Abwehr feſte Umfriedungen, häufig auch Gräben; die Kirchhöfe waren befeſtigt.)

Die Maſſe der Landbevölkerung beſtand aus Pächtern und Hofhörigen. Aber die Pächter hatten damals ihre kleinen Güter meiſt in Erbpacht, waren ihren Herren nur zins⸗ und dienſtpflichtig. Zu freier Nutzung aller Grundhörigen eines

1) Hahns Collect. mon. vet. et rec., I., S. 636. Ahnliche Klagen Schultz, Deutſches Leben uſw., I., S. 171172.

2) Vor allem in Franken. Der ſchwäbiſche Bauer wohnte über dem Stalle, unter dem gleichen Dache befand ſich die Scheune. Mone, Z. f. d. Geſch. des Oberrheins, V., S. 130, Bauerngüter im Mittel­alter.

) Schultz, Deutſches Leben uſw., I., S. 169.

Markgraf Albrecht Achilles l.