Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
83
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Skizzen. 83

In grundherrlichen Dorfſchaften übte die Herrſchaft meiſt zuſammen mit der Gemeinde die Gerichtsbarkeit aus.

In denWeisthümern waren die Beziehungen der Pächter zu ihren Herren genau geregelt.!) DieſeRechts­altertümer beweiſen, wie wenig man im allgemeinen von einer perſönlichen Hörigkeit des Ackerbauers in der Mitte des XV. Jahrhunderts ſprechen kann. Die Freizügigkeit der Grundhörigen war freilich in den meiſten Gegenden, wenn auch nicht überall beſchränkt. Aber vor allem durch die Er­leichterung ſeiner Laſten ſuchte die Herrſchaft den Pächter an den Grund und Boden zu feſſeln.)

Je größer die Familie des Grundhörigen war, um ſo leichter konnte der geringe Frohndienſt geleiſtet werden. Wäh­rend einer Teuerung aber ſchützte die Abhängigkeit von dem wohlhabenderem Gebieter vor den dringlichſten Nahrungs­ſorgen. Ein patriarchaliſches Verhältnis ſchufen die Weis­thümer und liebe Gewohnheit zwiſchen Herren und Grund­hörigen. Die Nutzungsrechte der Herrſchaft auf dem Grund

und Boden ihrer Pächter waren noch nicht zuServituten geworden.

Es wird nicht ganz mit Unrecht behauptet, daß nicht nur dem Wortlaut nach, ſondern auch in der Tat durch den Ein­fluß der heiligen Schrift und der Kirche damals der Satz des ſchwäbiſchen Landrechtes:Wir haben an der Schrift, daß niemand ſoll eigen ſein entſtanden wäre.)

1) Jakob Grimm, Rechtsaltertümer, und Jakob Grimm, Weis­thümer. Aber bereits im Jahre 1432 bemerkt Cuſa in ſeiner Schrift De Concordantia catholica, Scharpff, a. a. O., S. 47:Daß ſich die alten Volksrechte mehr auf dem Lande, als in den Städten, wo beſon­dere Stadtrechte zur Ausbildung kamen, in Geltung erhalten haben. 50 Jahre ſpäter waren die alten Volksrechte auch hier abgeſchafft.

2) Zur Geſchichte der Volkswirtſchaft, Mone, 3. f. d. Geſch. d. Oberrheins, X., S. 162.

3) Janſſen, Geſch. des deutſchen Volkes, Bd. I, S. 299. Bu ch­wal d, z. d. Wirtſchaftsgeſch. i. endenden Mittelalter, Bd. II, S. 6973.

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