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Skizzen.
Nur wer die Jagdleidenſchaft der Fürſten und Ritter der damaligen Zeit kennt und weiß, wie ſehr die Jagd als ein Sport angeſehen wurde, den nur der Edelmann zu treiben berechtigt wäre, wird die ganze Duldſamkeit würdigen, die aus einer Entſcheidung Kaiſer Sigmunds aus dem Jahre 1433 ſpricht:„So iſt das auch zu unſeren Königreichen zu Ungarn und zu Beheim und anderen weiten Landen recht und ganz gemein, wo ein Wild, es ſei was es ſei, auf eines anderen Mannes Erdreich und Gut tritt, das dann derſelbe ſolch Wild ziemlich und mit Recht ſchießen oder ſonſt fällen mag, wie ihm das möglich iſt, ſeinen Schaden zu wenden; und iſt dem Herren von deſſen Erdreich, es kommt keine Buße noch Peen verfallen.)
So ſchwächte aller Orten das Gefühl der Billigkeit und der Nächſtenliebe die ſtrengen Forderungen des Kaſtengeiſtes ab.
Noch mit Erſtaunen, wie über etwas Außergewöhnliches, klagt der Verfaſſer der Reformation Kaiſer Sigmunds „Das Ainer ſo geherzt iſt vor Gott, das er gedarf ſprechen zu einem: Du biſt mein eigen.“) f
Selbſt die Tagelöhner und Dienſtboten führten ein durchaus erträgliches Leben. Ein Taglöhner verdiente freilich wöchentlich nur wenige Groſchen,) aber in allen Gegenden des Reiches konnte er ſich doch mit ſeinem Wochenverdienſt ein Schaf, mit einem Monatsverdienſte eine Kuh kaufen.“ Jeder Tagelöhner hatte in Friedenszeiten zu Mittag und Abend ein Fleiſchgericht, an den Faſttagen Fiſchſpeiſe.
1) Germaniſches Muſeum, Scheuerl, Arch. zu Akten XIVb.
) Lamprecht, Deutſche Geſchichte, Bd. V. S. 83.
) über den Lohn der Dienſtboten und des Geſindes auf dem Lande zur Geſch. d. Volkswirtſchaft. Mone, 3. f. d. Geſch. d. Oberrheins, Bd. X, S. 78 uſw.
4) über Einzelpreiſe des Viehes und der Lebensmittel vgl.
Lamprecht, Deutſches Wirtſchaftsleben im Mittelalter, Bd. II., S. 545560.