Skizzen. 85
Die notwendigſten Lebensbedürfniſſe, Getreide, Gemüſe, Fiſche,) Vieh, Wild,) Geflügel, Obſt, Käſe und grobe Kleidungsſtücke koſteten ſehr wenig;“) nur Luxusgegenſtände, wie ſie auf dem Lande, außer dem Adel, nur die freien Bauern und einige beſonders wohlhabende Pächter ſich kaufen konnten, waren verhältnismäßig teuer.
Bei dem ungeheuren Viehreichtum des Landes ſchien es ein Zeichen ſchlimmſter Armut, wenn eine Familie nicht täglich wenigſtens ein Fleiſchgericht zu verzehren hatte. Es klingt wie Übertreibung, wenn Erhard Schürſtab in ſeinem Kriegsbericht faſt täglich von kleinen Viehherden erzählt, die Nürnberger Truppen immer und immer wieder wenige Meilen im Umkreiſe der Stadt erbeutet haben ſollen. In der Tat haben die Nürnberger von ſolchen Zügen über 28 000 Kühe im Laufe des Krieges heimgebracht.“) Im Walde Lußhart, zwiſchen Bruchſal und Philippsburg befanden ſich im Jahre 1437 über 40 000 Schweine zur Maſt.“)
Über und unter der Erde war das deutſche Land reich
geſegnet. Da die damalige weit weniger dichte Bevölkerung unvergleichlich geringere Mengen Holz brauchte, als die heutige,
1) Namentlich geſalzene und getrocknete See- und Süßwaſſerfiſche waren ein wichtiges Nahrungsmittel. Kriegk, Deutſches Bürtum im Mittelalter, S. 383 ff.
2) Wild war bei dem großen Wildreichtum der damaligen Zeit faſt ein Volksnahrungsmittel. Lamprecht, Deutſches Wirtſchaftsleben im Mittelalter, Bd. I, S. 497.
3) Einen Vergleich der Preiſe im 19. Jahrhundert mit den Preiſen vom 14.—16. Jahrhundert, Mone, Geſchichte d. Oberrheins, Bd. X, S. 47 ff. über die Kaufkraft des Geldes, die an dem Erwerb dieſer einfachſten Bedürfniſſe nicht gemeſſen werden darf. Vgl. Lu{din v. Ebengreuth, Allg. Münzkunde und Geldgeſch. d. Mittelalters und der neuen Zeit, S. 184—186. Mit Literatur.
9) Luzerner Staatsarchiv, Deutſches Reich, Brief des Nürnb. Rates an die Tagſatzung vom 28. Juni 1450. Vgl. Liliencron, Hiſt. Volklieder, Bd. I, Nr. 93, Vers 428.
5) Mone, 3. f. d. Geſch. d. Oberrheins, Bd. VIII, S. 133.