Skizzen. 87
f In jedem reichen Kloſter, in jeder größeren Kirche waren
viele Monſtranzen und Reliquienſchreine aus Gold. Die Rüſtungen und Schwerter waren mit Gold eingelegt, Barette und Hauben damit geſtickt, Halsketten, Gürtel und Schwertſcheiden waren oft aus Gold und mit Edelſteinen beſetzt.
Das feine Gold, das die Goldwäſcher Straßburgs aus dem Rheine wuſchen, gründete den Weltruf ſeiner Goldſchmiede.“)
Für alle Stände finden ſich„Ordnungen“, die gegen das übermäßige Schmucktragen der Frauen eifern— natürlich ſtets vergeblich.
Vanitas vanitatum et omnia vanitas.
Die Bußpredigten eines Capriſtan und ihr ungeheurer Erfolg ſind erſt verſtändlich nach dem Leſen der Berichte über die ſinnloſe Verſchwendungsſucht, die ſeit der Mitte des XV. Jahrhunderts in gewiſſen Kreiſen einzureißen begann und langſam ein wirklicher Krebsſchaden der Nation wurde.
Faſt protzig klingen die Berichte über die Gaſtmähler reicher Kaufleute, die nur aus goldenen und ſilbernen Schüſſeln ſpeiſen mochten.
Ein Gang durch die Muſeen mildert den Eindruck.
Den Schmuck ſchöner Frauen, die güldenen Pokale, die Monſtranzen hat oft eine Künſtlerhand mit erleſenem Geſchmacke geformt.“)
Und trotz aller Ordnungen und Bußpredigten waren in der Mitte des XV. Jahrhunderts die Ausſchreitungen nicht allzu arg; zu den großen Vermögen, von denen im XVI. Jahrhundert berichtet wird, war damals kaum der Grundſtock gelegt.
Dafür herrſchte eine allgemeine Wohlhabenheit. Damals war Deutſchland in jeder Hinſicht das geſegnetſte Land der
ı) Reuß, LAlsace au 17. siècle, Bd. I. S. 615—617. 2) Hirth, Kulturhiſtoriſches Bilderbuch, Bd. I.