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88 Skizzen.
Erde. Mit Neid faſt erzählt der Italiener Aeneas Silvius von ſeinem natürlichen Reichtum.“)
Damals noch hätte ein ſtarker und mächtiger Kaiſer trotz aller inneren und äußeren Widerſtände das heilige römiſche Reich deutſcher Nation zur alten Bedeutung wieder erheben können. 7
Trifft die Schuld an dem ſchnellen Verfall der Macht den ſchwachen Kaiſer, ſelbſtſüchtige Fürſten, den verſchwenderiſchen und beuteluſtigen Teil des Adels, den wachſenden Wucher der Juden, trifft ſie Krieg, Peſtilenz und Mißernten? Hat es der Sieg des römiſchen über das alte germaniſche Recht im Reiche verſchuldet, daß ſich in wenigen Jahrzehnten die glänzende ökonomiſche Lage des Landes ſo völlig änderte? Alles wirkte zuſammen, um den Untergang zu beſchleunigen.
Am ſchnellſten und heftigſten traf der Wandel der Dinge den Stand, der ſeit mehr als drei Jahrhunderten wehrlos geworden war.?)
In der Mitte des XV. Jahrhunderts galt es geradezu als„Untat, die wider allen Adel iſt“, wenn ein Edler es wagte, ſeine Bauern nicht nur zu bewaffnen, ſondern auch ſie im Gebrauch der Waffen zu üben.“) Nur„fremdes Volk und Buben“ erziehe man damit, das war die allgemeine Anſicht. Nicht eigene Macht, ſondern nur geſchriebenes Recht ſchützte noch dürftig den Bauernſtand.
Obgleich dieſer Stand am Ende der zu ſchildernden Epoche in den meiſten Gegenden des Reiches keineswegs völlig niedergebrochen war, muß hier doch gezeigt werden, wie tief er ſank, zumal in manchen Gegenden ein habgieri
) Aeneas Silvius, de ritu, situ, moribus et conditione Germaniae deseriptio. Lamprecht, Deutſche Geſch., Bd. V, S. 76—77.
) Witte, Regeſten der Mark Nr. 6894. 1 r Markgrafen von Hochberg, Bd. III,