Skizzen. 95
Es iſt eine feine Ironie des Schickſals, daß gerade ein Gebot ihrer größten Feindin und Verfolgerin die geſamte Judenheit weit mehr vor der gänzlichen Vertilgung im Mittelalter bewahrt hat, als die Anpaſſungsfähigkeit, Schlauheit und Zähigkeit ihrer Glieder.“
Mit ihrem Wucherrecht trieben die Juden, denen jedes Handwerk verſchloſſen, der Beſitz von Grund und Boden verboten war,) die keinen akademiſchen Grad erwerben durften,“ in vielen Fällen Mißbrauch.
Erlaubt war den Juden in den meiſten Städten, wöchentlich den ſechzigſten Teil des ausgeliehenen Kapitals zu nehmen, d. h. ca. 30 Prozent jährlich;“) in der Tat hielten die Juden, wenn der Schuldner gute Bürgen zu ſtellen vermochte, dieſes Gebot ein.)
lehnen und dafür größeren Wucher und Geſuch ausrichten und bezahlen müßten, dann fie der Jüdiſchheit in Nürnberg geben oder daß ſogar die Chriſten von einander Wucher nehmen möchten.“ Kaiſer Friedrich verſpricht die Juden zu dulden, da Nürnberg„auf dürren ſandigen Erdreich gelegen iſt ohne Wucher und Geſuch zur Handhabung ihrer Kaufmannſchaft und ihres Gewerbes nicht wohl beſtehen mag und da das mindere und kleinere Übel und Unrecht ſei, daß die Übung dieſes Wuchers und Geſuchs der Jüdiſchheit geduldet werde, die ja aus der Gemeinſchaft der chriſtlichen Kirche da ſie in ihren verſtoppten Gemüte beharre, verdammt ſei, denn das den Chriſtenmenſchen zum Wucher Urſach gegeben werde“.
1) Baader, Nachricht von den Juden in Nürnberg, Mones Anz., Z. Kunde d. deutſch. Vorzeit, Bd. XIV, S. 105. Über Nic. Cuſas Beſtreben, den Wucher der Juden unmöglich zu machen, und die ihm entgegenwirkenden Mächte.
2) Vgl. Chmel, Geſch. Kaiſer Friedrich IV., Bd. I. S 284 u. Anm. 1
3) Hefele, Conciliengeſchichte, Bd. VII, S. 589.
) Gemeiner, Regensburger Chr. II, 289. Kluckhohn, Ludwig der Reiche, S. 39. In Straßburg war nur 21 Prozent erlaubt. St. Chr., Bd. XI, S. 984.
5) Kanter, Hans v. Rechberg, Reg., Nr. 9.