Skizzen. 97
jeder römiſche König nach ſeiner Wahl, jeder Kaiſer nach ſeiner Krönung alle Juden im Reiche verbrennen laſſen durfte. Die Majeſtäten geruhten nun die„Jüdiſchheit zu begnadigen“ und ſich mit einem Drittel ihres Vermögens als Entſchädigung zu begnügen.“))
Außerdem befreiten gelegentlich einzelne Kaiſer treue Fürſten und Räte für geleiſtete Dienſte, ja ganze Landſchaften „aus Gnad“ von allen Judenſchulden.“)
Der Landesherr betrachtete den Beſitz ſeiner Juden als eine wohlangelegte Kapitalsreſerve, die in der Form von Schutzſteuern, ſowie von Dankgeldern für die Erlaubnis der Eintreibung fälliger Schulden ihre jährlichen Zinſen trug, in Zeiten der Not aber teilweiſe oder auch völlig eingezogen werden konnte.
Auch hatten die Landesherren meiſt einen Teil der kai
ſerlichen Steuern, vor allem den„zehenden Pfenning“ an ſich gebracht.
Ergötzlich iſt es nun, wie Kaiſer und Landesherr gegenſeitig die Juden vor einander ſchützten.) Der Landesherr pflegte voll Entrüſtung gegen eine zu häufige Heranziehung ſeiner Juden zu den Reichsſteuern zu proteſtieren. Einige
Fürſten verboten ihren Juden geradezu die Bezahlung eines zu
) Spieß, Archiv. Nebenarbeiten. Bd. I, S. 114116, S. 127128. Kaiſer Friedrich verlieh als Belohnung für die 1461—1463 geleiſteten Dienſte dem Markgrafen Albrecht dieſen Judenzins. Höfler, Das Kaiſ. Buch, S. 108. Vgl. Chmel, Reg. Friedrich IV., Nr. 1014. Zu der Schätzung ſollten die Juden einen Manifeſtationseid über die Höhe ihres Vermögens ſchwören. Eine Formel für dieſen Eid bei Kerler, a. a. O, S. 12.
9 Regeſt der Hiſtor. Kommiſſion München. Urkunde Kaiſer Friedrichs für die Grafen von Oettingen gegen zwei Nördlinger Juden. Val. Spieß, Archiv. Nebenarbeiten, Bd. I, 118. Mone, 3. f. d. Geſch. d. Oberrheins, Bd. IX, S. 259 f.
€) Wie Markgraf Albrecht ſeine Juden auch gegen den Papſt in chutz nimmt, Burkhardt, Das V. Merk. Buch, S. 26.
Markgraf Albrecht Achilles I 7