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hohen„Opferpfennings““) Der Kaiſer beſtrafte dagegen einen„gütigen“ Fürſten, der auf die dringenden Bitten der Bevölkerung die Juden aus ſeinem Lande vertrieb und damit ſich ſelbſt, aber auch dem Kaiſer eine Einnahmequelle verſchloß.)
Natürlich beraubten ſich die Landesherren trotz des einmaligen großen Gewinnes, den die Vertreibung einbrachte, nicht gern ihrer ergiebigen Judenſteuern.
Meiſt„ſetzten“ ſie wenige Jahre nach ſolcher Vertreibung wieder Juden„an“. Den Städten erlaubte der Kaiſer, die Juden zu„genießen“.“)
Wie trefflich auch manche Fürſten ihre Juden gegen widerſetzliche Edle zu brauchen wußten, ſpricht Markgraf Albrecht einmal mit der ihm eigenen urwüchſigen Deutlichkeit aus. „Welcher es dann mit der Herrſchaft hielte, den hielt man deſto länger aus, welcher aber das nicht täte, ſo gönnt man den Juden ſeine Schuld, deſto eher zu fordern und einzubringen.“)
Ein Flugblatt aus dem Jahre 1493 ratet den deutſchen
1) Wenn die Judenſchaft einer Stadt ſich allzu hoch beſteuert wähnte, ſo ſandte ſie ſelbſt wohl einen Boten an den Kaiſer oder übte auf ihren Landesherrn einen Druck, ſich ihrer energiſch anzunehmen, mit der Drohung aus, die Stadt zu verlaſſen; was, da der einzelne Jude ſein Vermögen meiſt flüſſig hatte, oder in kurzer Zeit flüſſig machen konnte, kaum zu hindern war. Frankfurter St. A., Allerhand Schreiben die Judenſchaft betr., Nr. 71101.
) Vgl. St. Chr., V., S. 162—168. Die Judenvertreibungen in der Mitte des XV. Jahrhunderts ſtellt Stobbe die Juden in Deutſchland während des Mittelalters zuſammen, S. 181193.
) Wiener, gegeſten zur Geſch. der Juden in Deutſchland während des Mittelalters, Nr. 266560.
;) Minutoli, Das Kaiſerl. Buch des Markgrafen Albrecht Achilles, S. 397. Vgl. auch Burkhardt, Das V. Mert. 1 S. 167. Albrecht ſchreibt ſeinen Räten:„Wir wollen nicht, daß unſere Juden den Nürnberger Bauern oder anderen, die uns und den Unſeren nicht
zuſtehen, viel nachlaſſen ſollten. Mit den Unſeren müſſen ſie es wohl halten, wie wir wollen.“ 5