Skizzen. 99
Fürſten:„Und hab die Juden nicht zu lieb, ſetz von ihnen dein Getrauen, ſie ſind deiner Seelen Dieb, die Schmäher unſerer Frauen.“
Wie die Fürſten, brauchten auch manche reiche Edle die Juden, um ihre Nachbarn„von ihren Schlöſſern zu dringen“. Sie kauften dann den Juden die Güter, die dieſe ja nicht behalten durften, um die Hälfte des Wertes wieder ab.
Auch zu manchen anderen lichtſcheuen Geſchäften wurden die Juden gebraucht. Als die ebenſo mächtigen, wie ſchlimmen Raubgeſellen Apel und Buſſe v. Vitzthum von ihren Landesherren verſtoßen, von der Bevölkerung verflucht aus Thüringen flüchten mußten, gab es nur einen Menſchen im Lande, der noch verhaßter war als ſie,— der Jude Schalam, ihr„heimlicher Rat und aller ihrer Heimlichkeit Austräger und Erforſcher“.)
Die Juden hatten ihr eigenes Judenrecht. In den Städten beſtand ein„Judenrat“, der für Juden bindende privatrechtliche Entſcheidungen fällte, die der„jüdiſch Hochmeiſter“ zu beſtätigen hatte.?) Ein Judengericht, das der chriſtiche „Judenrichter“ leitete und zu dem als Beiſitzer meiſt 2 Chriſten und zwei Juden hinzugezogen wurden, entſchied Streitigkeiten zwiſchen Chriſten und Juden.“)
Abgeſchloſſen von den Wünſchen und Hoffnungen, von dem öffentlichen Leben der anderen Bevölkerung, durch Ab
) Stolle, Erfurter Chr. Stuttgarter Bibl. ds. literar. Vereins, S. 42.
) Nürnberger Kr. A. Briefbücher, 24, S. 247. Sander, Die Reichsſtädtiſche Haushaltung Nürnbergs, S. 245247. Stobbe, die Juden in Deutſchland während des Mittelalters, S. 64. Selbſt wenn ein Jude, was ſehr ſelten vorkam, ſich an die chriſtliche Obrigkeit zum Schutze gegen Verfolgungen wandte, die er durch Glaubensgenoſſen zu erleiden hatte, wies dieſe ihn an den Judenmeiſter. Vgl. Scherer, Die Rechtsverhältniſſe der Juden, S. 243244.
) Scherer, S. 234240. 7*