Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
107
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Die Iugendzeit des Markgrafen. 107

Freilich werden die kleinen lateiniſchen Sätze, die er in ſeine Briefe einzuflechten liebte, kaum das Entzücken eines Aeneas Silvius gebildet haben.)

Doch wenige Fürſten gab es in den deutſchen Landen, die überhaupt Latein verſtanden, und manche ſchwer erlernte Vokabel mag Albrecht bei Kampf und Turnier, bei ſchönen Frauen und Weingelagen vergeſſen haben.

Selbſt höfiſche Bildung und feine Sitte wird der Knabe kaum gleich anderen Fürſtenſöhnen ſchon im früheſten Alter gelernt haben. Nicht oft feierte man Feſte in der Mark und es war für den zehnjährigen Knaben wohl ein Ereignis, als er an der Hochzeit des Grafen Albrecht von Lindau⸗Ruppin mit der Tochter eines ſchleſiſchen Herzogs in Frankfurt teilnehmen durfte.)

Erſt als der Vater ſeinem älteſtem Sohne Johann im Januar 1426 die Regierung der Mark übergabe) und das Land für immer verließ, wird er den jungen Albrecht nach Franken mitgenommen haben,) das die Kurfürſtin Eliſabeth in dieſen Jahren gegen den zuerſt übermächtigen Angriff Herzog Ludwigs von Bayern geſchützt hatte.

Am 2. Juni 1427 trat dann Albrecht in das öffentliche Leben ein und zwar mit einer Lüge.

1) Val. Priebatſch, Politiſche Korreſpondenz des Kurfürſten Albrecht Achilles, Bd. I, S. 750. Albrecht ſchreibt dem Kaiſer:Dann es iſt Latein und bitt E. G. Ir. wollet den Brive den ich geben ſoll, post stilum cancellarie in deutſch machen laſſen, daß ich den verſtee, denn Ir wißt wol, daß ich nicht ein guter Lateiniſt bin. Bd. II, S. 535, ſchreibt Albrecht:und findens in keinem deutſchen Buche geſchrieben; der lateiniſchen können wir nicht.

) Städte⸗Chr., VII, S. 37475. ) Riedel, a. a. O. II, S. 490. Städte⸗Chr., VII, S. 37475.

) Bayer, Jugendzeit, S. 38, Anm. 3. Schuſter, Kurfürſt N Lehr⸗ und Wanderjahre. Monumenta Germaniae paedagogica, 110.