Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
109
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Die Jugendzeit des Markgrafen. 109

ſcheinen verlangt zu haben, daß wenigſtens einer der jungen Markgrafen auch perſönlich den Vertrag unterſchreibe. Die Abgeſandten des Nürnberger Rates erhielten nun die erſte Abſchrift der bedingten Mündigkeitserklärung Albrechts und am nächſten Tage ſtellte der Knabe den Kaufvertrag mit aus und ſiegelte ihn auch. Keine Handlung ſeines Vaters wird Albrecht ſpäter mehr bedauert haben, als die, bei der er zum erſten Male mitzuwirken berufen war. Umſonſt war dies für die Erweiterung der Hausmacht in Franken ſo verhäng­nisvolle Opfer gebracht worden.

Vor Mies und bei Tachau zerging alter Ruhm deutſcher Kriegstüchtigkeit vor dem Anſturm fanatiſcher Böhmen wie ſchillernde Seifenblaſen im Winde. Eine der beſchämendſten Stunden deutſcher Geſchichte war es, als der tapfere Kardinal Heinrich von Wincheſter, der Engländer, den Feiglingen die Fetzen der Reichsfahne, die er ergriffen und ſie im Stiche gelaſſen hatten, vor die Füße warf.

Wie die Schmach des Vaterlandes auf das Gemüt des Knaben gewirkt hat, wiſſen wir nicht, wohl aber, daß ihm die trüben Erfahrungen ſeines Vaters in dieſer Zeit Lehren für das ganze Leben geblieben ſind.

Im Mai 1429 finden wir Albrecht als Begleiter ſeines Vaters auf demköniglichen Tage in Nürnberg. Es iſt wohl ausgeſchloſſen, daß ihn der Vater bereits damals in die Reichsgeſchäfte einweihen wollte, der Knabe iſt ſicher nur im Gefolge mitgeritten. Auch iſt es nicht einmal ein Beweis für ſeine Anweſenheit in Plauen, wenn wir unter den dort zwiſchen ſeinem Vater und den Herzögen von Sachſen geſchloſſenem Bündniſſe auch ſeinen Namen finden.)

Am Ende des Jahres 1429 kam Albrecht an den Hof der Königin Barbara, die ihrer Überzeugung von der Über­flüſſigkeit des ſechſten Gebotes durch ihren Lebenswandel noch

1) Riedel, Cod. dipl., II, 3, S. 500 ff.