Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
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110 Die Jugendzeit des Markgrafen.

kräftigeren Ausdruck verlieh, wie ſelbſt ihr als Frauenjäger berüchtigter Gemahl Sigmund.

Bei denedlen Frauen ihres Hofes fragte ein Jüng­ling wohl beſſer nicht an, wenn er erfahren wollte,was ſich ſchickt.

Vor allem waren es politiſche Gründe, die den Kur­fürſten beſtimmten, den Knaben an den Hof der Königin zu bringen. Es war nach der vorausgegangenen Entzweiung ein Zeichen ſeines Vertrauens für den König, ein Pfand für die Dauer ihrer Verſöhnung. Auch wird der junge Markgraf an dem Frauenhofe manches haben lernen ſollen, was in der Mark ihm bisher unbekannt geblieben war.

Und doch hätte der Kurfürſt ſeine Zwecke auch erreicht, wenn er ſeinen Sohn an den immerhin weniger berüchtigten Hof Sigmunds geſandt hätte.

Wollte Friedrich vielleicht, daß der junge Fürſt') gerade dort zuerſt den Wert der Frauenliebe kennen lernte, wo ſie am geringſten im Preiſe ſtand?

Zeigte doch damals Herzog Albrechts von Bayern Heirat mit Agnes Bernauer, wohin es führte, wenn junge Fürſten Herzensſachen allzu tragiſch nahmen. War dieſe Heirat dem Kurfürſten eine Warnung? Faſt will es fo ſcheinen. Er gab ſeinem Sohne zum Hofmeiſter den Ritter Hans von Wallen­rode,den Buhlhannes, den Geliebten der Königin,?) den

1) Man zeigt in Schloß Rheinburg bei Bingen die Rüſtung des Markgrafen Albrecht, die er getragen haben ſoll, als er zum erſten Male zum kaiſerlichen Hofe ritt. Für ſein Alter muß Albrecht darnach bereits ſehr entwickelt geweſen ſein.

Bayer, Jugendzeit, S. 40. Es iſt kaum zu bezweifeln, daß

dieſe Nachricht Moningers(Genealogie der Markgrafen von Branden­burg ed. Meyer, Hohenz. Forſch., III, S. 292) richtig iſt und daß damals ſich Albrecht und Wallenrode näher getreten ſind. Wallenrode wurde ſpäter Amtmann von Hof, dann von Bayreuth. Chron. des Enoch Widmann, Hohenz. Forſch., II, S. 62. An der Seite Albrechts bat er gegen Nürnberg gekämpft. Städte⸗Chr., II, S. 427.