Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
111
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Die Jugendzeit des Markgrafen. 111

beſten Steuermann auf demNarrenſchiff der Buhlſchaft, auf dem Albrecht von dieſer Zeit zum Schrecken ſeiner Räte nur allzu oft und gerne gefahren iſt.!) Hier lernte Albrecht die Freude an der Zote, das Prahlen mit ſeinen im Bette verrichteten Heldentaten, das wir bis in ſein hohes Alter in vielen Briefen an Vertraute, die er in guter Laune geſchrieben hat, finden.

Über ein Jahr blieb Albrecht am Hofe der Königin. Er trat dem Stande ſeines Vaters gemäß auf. 60 Pferde hielt er ſich und für jedes zahlte ihm die Königin jährlich 100 Gulden.)

Bald aber rief ihn ernſte Pflicht an die Seite ſeines Vaters zurück. König Sigmund hatte den nicht allzu hoffnungsfreu­digen Kurfürſten zum oberſten Hauptmann wider die Böhmen ernannt. Albrecht erhielt die vielbeneidete Ehre,) die Sankt Georgsfahne) dem Feinde entgegenzutragen. Die Fahne, die vor allem das Symbol und die Hoffnung dieſes Krieges der Chriſten gegen die Ketzer den Sieg über den Drachen wies. Aber die ſchönſten Fahnen in Knabenhänden gewinnen

keine Schlachten: Das ſtolze, 130 000 Mann ſtarke Heer zerſtob vor dem Geſange der geſchmähten Ketzer. Der Ritter der ſchönen Agnes, Herzog Albrecht von Bayern, eröffnete die Flucht. f

Die erſte Kriegserfahrung des jungen Markgrafen war wahrlich nicht ermutigend.

1) Schuſter, Kurf. Albrecht, a. a. O., S. 11517. Aſchbach, Kaiſer Sigmund, S. 391394.

2) Minutoli, Kaiſerl. Buch, I, S. 136. Vgl. auch Prie­batſch, a. a. O., II, S. 292. 3) Lichnowsky, Geſch. des Hauſes Habsburg, VII. S. 168.

) Es wird die Fahne des von ſeinem Vater und dem Biſchof von Bamberg und Würzburg am 15. Januar 1427 gegründeten St. Georgs­rittergeſellſchaft in Franken geweſen ſein und nicht die Fahne der älteren St. Georgsgeſellſchaft in Schwaben.