FFF
118 Die Jugendzeit des Markgrafen.
den. Am gleichen Abend ritt man bis Nama. Von dieſem Städtchen aus machten die Pilger am nächſten Tage einen Ausflug nach St. Georg und hörten dort die Frühmeſſe. Der Guardian des Jeruſalemer Zionskloſters abſolvierte ſie und gab ihnen Verhaltungsmaßregeln. Während des Sonntages blieben die Markgrafen in Ronna, am Montag früh um 1 Uhr brachen ſie auf und ritten bei einer „ſchön groß Kirchen“, dem Haus des Emaus, vorbei, nach Jeruſalem. In einer Wirtſchaft vor der Stadt gaben die Pilger ihre Schwerter zur Aufbewahrung ab, dann eilten ſie zu dem Tempel des heiligen Grabes; inbrünſtig küßten ſie die Stelle, an der Chriſtus unter der Laſt des Kreuzes zuſammengebrochen war. Sie knieten vor der heiligen Pforte nieder und verrichteten andachtsvoll ein Gebet— weihevolle Minuten für jeden Pilger.
Die Kirche ſelbſt durften ſie nicht betreten; ſie war außer an den höchſten Feiertagen wohl, verſchloſſen;— nur Gold öffnete auch dieſe hehre Pforte.
Die Nacht verbrachten die Pilger als Gäſte der Konſuln von Venedig und Genua im Johanniterhoſpiz. Der nächſte Tag wurde dem Beſuche der heiligen Stätten innerhalb und außerhalb Jeruſalems gewidmet.
Unmöglich konnte bei dieſer frommen Hetzjagd eine andachtsvolle Stimmung aufkommen. Welche Stätten hatte frommer Übereifer in und um Jeruſalem nicht entdeckt!— Die Stätten, wo die Muttergottes„Windeln wuſch“ und die „Schule, wo ſie Latein lernte“, den Platz, wo der Hahn des Petrus krähte und der Baum, an dem ſich Judas erhängte; la man zeigte in Jeruſalem den„Pflaſterſtein“, der die Mitte der Welt bedeutet, die„Kapellen, darin iſt gefunden worden
Adams Haupt“ und die Stätte, wo Abraham ſei Iſaak opfern wollte. ham ſeinen Sohn
1 Wie ein ordentlicher Kaufmann über Tageseinnahmen, ſo führt Lochner über den Ablaß Buch, den die Pilger durch