Die Jugendzeit des Markgrafen. 119 den Beſuch der heiligen Stätten ſich verdienten. So ſelbſtverſtändlich es war, daß Pilgern, die an die Genaden wirkende Kraft des Ablaſſes glaubten, nach den Mühſalen und Gefahren der Reiſe an den Stätten, wo Jeſus lehrte und litt, und die ſie in Andacht und Zerknirſchung beſuchten, in reichem Maße Ablaß gewährt wurde, ſo wenig erhebend klingt doch in dem Berichte die allzu große Ablaß⸗Abrechnung.
Die Phantaſie ermüdet; über die heilige Grabeskirche ſelbſt ſpricht Lochner nur wenig. 11mal 7 Jahre und 40 Tage Ablaß des Fegefeuers und Amal„Aplas von Schuld und Pein“ ſicherte der Beſuch ihrer Stätten den Pilgern. Aber was konnte das ihnen noch ſein, denen am gleichen Tage 277 Jahre und 240 Tage Erlaß des Fegfeuers und 6mal Ablaß von Schuld und Pein gewährt worden war.
Nur einmal waren„Reue und Andacht“ als Vorausſetzung zur Vergebung der Sünden ausdrücklich genannt.
In der Grabeskirche eingeſchloſſen, verbrachten die Pilger die Nacht. Langſam wird nach der Haſt des Tages Ruhe über ſie gekommen und damit eine weihevollere Stimmung in ihnen wachgeworden zu ſein. Sie beichteten, nahmen das heilige Sakrament des Altares„und hörten auch ſonſt gar viel würdiger Meſſe leſen“. Kurz nach Mitternacht ſchlug Markgraf Johann jeden ſeiner Begleiter, der auf die Frage:„Biſt du ein Edelmann?“ mit„Ja“ antworten konnte, zum Ritter des heiligen Grabes; Albrecht!) und 28 andere Edelleute küßten dort ſein Schwert und gelobten, getreu den Regeln der Ritterſchaft zu leben. Am nächſtem Morgen ließ man die Pilger aus der Kirche heraus; müde zogen ſie ſich in das Johanniterſpital zurück.
Am Nachmittag ritten ſie dann nach Bethlehem und beſichtigten dort noch am Abend alle heiligen Stätten.
2) Frieſe: Chronik von Würzburg. Ludwig, Geſchichtsſchreiber des Bistums Würzburg, S. 829, ſchreibt fälſchlich:„Markgraf Albrecht war im 12. Jahre ſeines Alters zu Jeruſalem zum Ritter geſchlagen.“