Die Jugendzeit des Markgrafen. 123
Weder göttliches Recht,— wenn man das Erſtgeburtsrecht in einer Herrſcherfamilie jo bezeichnen will— noch menſchliches rechtfertigen dieſen Schritt der Eltern; er widerſprach der feierlichen Konſtitution des Reiches, der goldenen Bulle.
Als dem Kurfürſten im pommerſchen Kriege zum erſten Male ſein altes Glück verlaſſen und in den eigenen Reihen die Untreue ihr Haupt erhoben hatte, war Markgraf Johann an ſeinen Platz in der Mark getreten. Auch ſein Bemühen blieb ohne Erfolg.“)
Das Land dem Hauſe zu erhalten, ſchien der zähe und energiſche Friedrich weit befähigter.“
So forderte das Hausintereſſe von Johann, daß er auf die höchſte Würde, zu der ein Menſch im Reich geboren werden konnte, daß er auf den Kurfürſtenhut verzichtete.
Und er brachte dieſes Opfer, das er nicht hätte bringen dürfen, wenn er Söhne gehabt hätte. Er brachte es ohne Gram und Zorn, ja er ſtellte ſeine Kräfte ferner in den Dienſt des Hauſes, bis ſein jüngerer Bruder ihm die Bürde abnehmen konnte.
Wie mögen über ſolches ſtilles Heldentum Bayerns Herzöge geſtaunt haben, die ihre Länder zerfleiſchten wegen eines
Friedrich die Verwaltung zu übertragen. Die ſchönen Reden, die Aeneas Silvius den Kurfürſten und Johann in De dietis et factis Alphonsi, II., S. 283 halten läßt, find, wie aus der Überlaſſung der Wahl an Johann hervorgeht, freie Erfindung;— nicht einmal»bene trovata“ und zeugen nur dafür, wie unerklärlich dieſe feſte Familiendisziplin dem Italiener ſchien.
1) Über die Schwierigkeiten, mit denen er zu kämpfen hatte, Priebatſch, Die Hohenzollern und die Städte der Mark, S. 58 ff.
2) Mit Recht weiſt Zellmer zur polniſchen Politik des Kurf. II. von Brandenburg. Wiſſenſchaftl. Beilage zum Programm des Kölln. Gymnaſiums, Berlin, Oſtern 1883, S. 1 darauf hin, welchen großen Vorzug ſchon Friedrich dadurch hatte, daß er als ehemaliger Bräutigam der Prinzeſſin Hedwig die polniſche Sprache beherrſchte, die Perſönlichkeiten und Verhältniſſe des Krakauer Hofes genau kannte.